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Summary

Gerhard Vollmer: Im Lichte der Evolution. Darwin in Wissenschaft und Philosophie

"Evolution ist überall." In dieser Kürze könnte man das Werk Gerhard Vollmers, um das es heute geht, zusammenfassen. Damit wäre zugleich alles und nichts gesagt. Darum hole ich wohl doch etwas weiter aus:

Gerhard Vollmers Buch trägt den Titel "Im Lichte der Evolution. Darwin in Wissenschaft und Philosophie". Inspiriert vom Darwin-Jahr 2009 wurde Vollmer neugierig, in welchen Disziplinen der Evolutionsgedanke eine wichtige Rolle spielt. Er begann zu sammeln und stellte bald fest, dass das Thema sehr, sehr ergiebig ist. Und so wurde aus dem übersichtlich erscheinenden Projekt schnell ein umfangreiches Sammelwerk.
Ganze 58 Disziplinen hat er ausgemacht, die den Evolutionsgedanken in sich tragen oder gar wesentlich durch ihn bereichert wurden und werden. Und dabei hat er einiges auch weg gelassen: Im Buch finden sich weder die evolutionären Teildisziplinen noch esoterische, unwissenschaftliche Lehren, die dem Begriff "Evolution" nicht einmal entfernt nahe kommen, obwohl sie ihn gern verwenden. Vollständigkeit ist kein Ziel des Buches und kann es auch gar nicht sein, denn der Evolutionsbegriff wird sehr oft, wie eben im esoterischen Bereich, als Beiwort verwendet.

"Im Lichte der Evolution" ist in vier große Teile untergliedert:
Teil A befasst sich mit Evolution allgemein. Es geht um Evolution in Biologie, Naturwissenschaften, Erfahrungswissenschaften, Aufklärung und als ein tragendes Element eines modernen Weltbildes. Teil A bietet damit eine breit aufgestellte Einführung, was Evolution eigentlich ist, was in Evolution ist, was eine evolutionäre Theorie ausmacht, außerdem übergreifende und vergleichende Evolutionsszenarien und abschließend die Beantwortung der Frage, ob es eine allgemeine Evolutionstheorie gibt.
Teil B behandelt 44 evolutionäre Disziplinen in der Wissenschaft. Dabei geht es durch wahrscheinlich alle Wissenschaftsbereiche, die einem auf Anhieb einfallen mögen: Von Algorithmen über Archäologie, Biologie, Finanztheorie, Intelligenz, Kosmologie, Kulturwissenschaft, Musik, Neurologie, Ökologie, Politologie, Rechtstheorie, und so weiter, bis hin zur Soziologie. Hinzu kommt die Frage, warum es keine Evolutionäre Astrophysik gibt.
Teil C befasst sich mit der Rolle Darwins in der Philosophie. Hier geht es sowohl um das Verhältnis Darwins zur Philosophie und zeitgenössischen Philosophen wie auch umgekehrt um die Reaktion der Philosophen auf Darwin und um seinen Einfluss auf die Philosophie. In Kapitel C5 stellt Vollmer zudem die großen Teilgebiete der Philosophie mit ihren Kernfragen in aller Kürze zusammen.
Teil D behandelt 14 evolutionäre Disziplinen in der Philosophie. Zu den in C5 genannten Teilgebieten gesellen sich hier evolutionärer Humanismus, Materialismus, Naturalismus, Spiritualität, Transzendentalphilosophie, Wissenschaftstheorie und nicht zuletzt evolutionäre Zukunft. In Kapitel D1, zur Evolutionären Philosophischen Anthropologie möchte ich euch persönlich besonders die Tabelle der diversen Menschen-"Evolutionsstufen" ans Herz legen. Allein die Eigenschaftszuschreibungen, die durch die lateinische Homo-Sowieso-Namensgebung bestehen,  bieten unzählige Antworten auf die Frage, was den Menschen eigentlich, ganz grundsätzlich, im Wesen ausmacht.
Dem letzten Teil des Buches folgen Anmerkungen, sowie umfangreiche Namens- und Sachregister.

Zusammenfassend kann man sagen:
Die Evolutionstheorie bietet so ziemlich allen Wissenschaften ein fruchtbares Denkmodell. Gerhard Vollmers Buch ist dabei ein hervorragendes Sammelwerk, das einen Einblick gewährt in die vielen unterschiedlichen Disziplinen, in denen evolutionäres Denken Einfluss nimmt oder die von diesem maßgeblich geleitet werden.
Gerhard Vollmer schreibt in seinem Vorwort selbst:
"Es wäre vermessen zu erwarten oder zu raten, dass jemand das Buch von vorne bis hinten durchliest. Das wird kaum jemand schaffen. Und es ist auch nicht nötig; es ist jedenfalls so geschrieben, dass man jedes Kapitel für sich lesen kann."
Damit hat er vollkommen Recht.
Hinzu kommt, dass er einen leserfreundlichen und allgemein verständlichen, aber nicht profanen Schreibstil gewählt hat.

"Im Lichte der Evolution" zeigt die Bedeutung des Evolutionsgedankens für die aktuelle Wissenschaft überhaupt auf. Es zeigt, dass der Evolutionsgedanke trotz aller fachlicher Zersplitterung in Einzelwissenschaften geradezu universell anzutreffen ist.
Gerhard Vollmer hat mit "Im Lichte der Evolution" ein übersichtliches und spannendes Sachbuch geschaffen, das keinen Fachwissenschaftler als Leser erfordert. Es ist vielmehr wie ein Lexikon, in dem man schmökern kann. Ein Kapitel verweist auf andere und so springt man mal hierhin, mal dorthin. Hinzu kommen schöne Überblickstabellen, die beim Strukturieren helfen. Neugierde ist also alles, was es braucht, um dieses Buch lesen und wertschätzen zu können.

Mit großen Interesse am Evolutionsgedanken habe ich dieses Buch in die Hand genommen und ich kann es nur vorbehaltlos empfehlen.

Gerhard Vollmer "Im Lichte der Evolution. Darwin in Wissenschaft und Philosophie" ist in der besprochenen Ausgabe 2017 im S. Hirzel Verlag erschienen.

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