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Summary

Mix up your mind!

Kapitalismus ist schlecht! Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wittern Musiker lieber das große Geld und publizieren ein Best Of nach dem anderen, anstatt sich womöglich weniger rentablen musikalischen Experimenten zu widmen. Leidtragender in dem Falle ist natürlich der gemeine Möchtegernmusikjournalist, der nun, wie in unserem Falle, auf eigene Ressourcen zurückgreifen und den eigenen tollen Geschmack mit unzähligen Listen und Mixen zelebrieren muss. Aber da derzeit ohnehin geräuchert wird, fällt das bisschen Selbstbeweihräucherung nun auch nicht mehr auf. Und so trat die Musikredaktion zusammen, mixte, mashte, wichtelte und wurde selbst zu ihrem größten Kritiker. Ergebnisse und Klangeindrücke folgen im Folgenden.

Künstler: das Geschmacksdiktat der Musikredaktion von Radio UNiCC
Album: Best Of 2010
klingt wie: guter Geschmack zwischen Tech House, Indie-Konsens, Hipster-Hop und Eumo

Arne:
Wenn der eigene musikalische Horizont kaum über Beach und Witch House hinausreicht, fällt es wahrlich schwer, Worte zu finden, welche die hier vorliegende Mixtur angemessen ummanteln. Dieser Mix, der sich gewohnt stilsicher zwischen technoid und housig bewegt, besticht zunächst in erster Bassdrum - Linie durch seine unerschütterliche Hype-Resistenz. Dem ungestümen Hipster-Alter entwachsen hebt er weise mahnend den Finger und lehrt dem pitchfork-verblendeten mickrigem Rest der Redaktion, dass es nicht immer exotischer Subgenres und geometrisch konstruierten, aber dennoch freigeistigen Bandnamen bedarf, um Innovation zu bedeuten – ein geometrisch konstruierter 4/4-Takt kann ebenso erfrischend sein! So zeichnet diese Musikmischung angenehm klare Linien, bedient sich in gekonntem Handwerk gleichermaßen populärer Acts (Efdemin, Kollektiv Turmstrasse und so) wie auch mysteriös anmutender Insider (Andi Numan – 203 Hörer auf last.fm!) und baut dabei ganz beiläufig eine digitale Klimax, analog zum Verlauf des typischen Ausgehabends. Letztlich treibt es einem, ganz im Sinne elektronischer Tanzmusik, die Hipstergeister aus - hinaus in die Nacht, hinein in den Club.

Johanna Eisner – verlässt für den Mix von Arne ihr gemütliches Beach House, nicht ohne dabei mehrmals auf das Unwort des Jahres zu verweisen.

Tracklist:
Efdemin – There Will Be Singing_ 02. Kollektiv Turmstrasse – Heimat_ 03. H.O.S.H. – Cash The Chord_ 04. Stimming – The Unicorn_05. We Love – Underwater [Johnny D RMX]_ 06. Harry Axt - Stepp_07. Giuseppe Cennamo – We Don´t Care_08. Acid Kids - Bloom_09. Dennis Ferrer – The Red Room [Obj Vocal Mix]_10. Radio Slave – I Don´t Need A Cure For This [Kenny Larkin RMX]_11. Andi Numan – Bambi Knows_12. H.O.S.H. – Antonelli Screaming

Johanna: Canada is nice, Brooklyn is nicer!
Das Mixtape von Johanna verspricht schon im Titel ein Konglomerat aus den hipsten Hipsterbands der Indie-Szene. Schon beim Lesen der Tracklist fühlt sich der unbelesene, durchschnittliche Indie-Hörer als solcher. Ihm wird bewusst, dass er ein unbelesener, zu spät kommender Nicht-Hipster ist, denn mehr als die Hälfte der Tracks erscheinen ihm unbekannt. Doch mit dem Hören schließlich stellt sich Harmonie ein - das Betrüben über die eigene Unhippnes löst sich auf und macht einem unbestimmten, warmen Gefühl Raum. Klassischer Indie-Rock (here we go magic) folgt auf romantische und ruhige Tracks, hier und da schleichen sich auch Referenzen an die 80er ein, die dann von treibenden elektronischen Beats (haribo,health, gold panda) abgelöst werden. Das Mixtape ist damit die perfekte Symbiose von stillem Kämmerchen und Dancefloor für Hipster und unhippe Hipster.

Kathrin Müller – sucht in Berlin nach einem Mann mit Nerd-Brille und hat das Unwort des Jahres ebenfalls für sich entdeckt

Tracklist:
Here We Go Magic – Collector_ Arcade Fire – Sprawl II (Mountains beyond Mountains)_ Keep Shelly in Athens – Cremona Memories_Gold Panda – Marriage_High Places – On Giving Up_Tanlines- Real Life_Suckers – A Mind I Knew (Baryshnikov Remix)_ HEALTH – Before Tigers (cfcf Remix)_El Guincho- Bombay_ Future Islands – Long Flight_ Wild Nothing – Your Rabbit Feet_Twin Sister – All Around And Away We Go_White Hinterland – Icarus_Twin Shadow – Tether Beat_ Haribo – Leave House.

Lena:
Lenas persönlicher Mix des Jahres könnte eigentlich auch gut ein Image-Mix von Radio UNiCC sein. 14 gute Tracks, die verschiedene Gemütslager beliefern und bequem nebeneinander in die gute alte und übergroße Indie-Schublade passen. Darwin Deez setzt die erste Geschmacksnuance der ungrauen Suppe und die ist groovy. Danach passiert etwas, was man wohl am besten romantische Psychedelisierung nennt, bis die Crystal Fighters dem angetanen Hörer den Kopf beinahe freitrancen. Danach wird's schön, stimmungsvoll und doch nicht unbeschwert. Für die Höhepunkte sorgen Warpaint, The New Pornographers und FM Belfast und den Epic Last Song hört man dann einfach gern, auch wenn es der letzte ist. Fazitär bleibt jedem zu empfehlen, diesen sympathischen Mix anzuhören.

Eric Kanold – beliefert mit UNiCC' schen Geschmacksnuancen verschiedenste Gemütslagen

Tracklist:
Darwin Deez – Radar Detector_Broken Bells – The Ghost Inside_Warpaint – Billie Holiday_ Deerpeople – Dr. Gay Washington_ Crystal Fighters – Follow_Mackintosh Braun – On and On_Vampire Weekend – Horchata_The New Pornographers – Unguided_ FM Belfast – Underwear_ Kashmir – Mouthful of Wasps_ Death Cab For Cutie – No Sunlight_ Scanners – We Never Close Our Eyes_The Thermals – Now We Can See_ Does it offend you, yeah? – Epic Last Song

Kathrin:
2010 sind wieder einmal unzählige Alben erschienen, die die Indie- und Elektroszenen revolutionieren wollten. Geklappt hat das sogut wie nie. Nichtsdestotrotz sind dabei einige Songs entstanden, die wohl auch noch in ein paar Jahren zu hören sein werden. Sei es auf dem heimischen Sofa oder im schweißdurchfluteten Club. Der relativ kurze, aber auf den Punkt gebrachte Mix besticht durch eben diesen Mischung. Tanzbares ist dabei, wie der Remix von Caribous „Leave House“ oder „Out Of The Inside“ von Alex Gopher, aber auch Künstler, an die man in diesem Jahr keineswegs vorbeikam, wie Junip oder Warpaint. Insgesamt also eine vortreffliche Auswahl an Songs, die über das Jahr hinaus bestehen werden.

Christian Laude – revolutioniert in Kürze mit diversen Tanzstilen die Elektroszene

Tracklist:
Sufjan Stevens – Chicago_ David Lemaitre - Six Years_Junip - Rope & Summit_ Warpaint - Undertow_The Album Leaf - Always for You_Alex Gopher - Out of the Inside_Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Garden_ Caribou - Leave House (Motor City Drum Ensamble Mix)

Ferdinand – „Reinhören“

Band: Housemeister Ferdinand
Klingt wie: eine zerfeierter Ferstivalsonntag

„Once there was Jack and Jack said: Let there be house“…Jedem der gute House-Musik liebt, sollte dieser Jack bekannt vorkommen, denn Jack ist die Personifizierung des Jacking, also dessen was dieser Musik den nötigen Groove verleiht. Und grooven, das tut auch das von Ferdinand zusammengestellte Radio-UNICC-Weinachtswichtel-Mixtape. Das 11 Tracks starke Mixtape setzt sich aus einer Reihe einschlägiger Clubtunes zusammen, die in den letzten Monaten auf fast jeder Tanzveranstaltung dieser Art zu hören waren. Beispiele sind hier Dirty Doering´s „I Would“ oder Marek Hemmann´s „Left“, das Fabian Reichelt durch seine Stimme zu einer der Club-Balladen des vergangenen Sommers machte. Aber das Mixtape beinhaltet nicht nur mächtig drückende Basslines hemmannscher Prägung, sondern auch gefühlvoll zarte, ja filigrane Stücke, wie „The One“ von Johnwaynes und Siri Svegler, mit dem Ferdinand seinem Mixtape einen würdigen und sinnlichen Abschluss verleiht.

Arne Zwanzig - I would never left the one who´s jacking me

Anspieltipps:
Dirty Doering – I would_ Marek Hemmann – Left feat. Fabian Reichelt_
Johnwaynes – The One feat. Siri Svegler

 

 

Follow me through the electronic night - Mixtape of Liza Main
Während man sich nach einem ausgedehnten, verspäteten Mittagsschlaf auf dem Bett zu Angel Echoes von Four Tet räkelt und sich den letzten Schlaf aus den Augen reibt, wird das Verlangen nach einer erfrischenden Dusche größer und man tritt den Weg ins Badezimmer an. Das Wasser prasselt auf den Körper herab und mit Oxygen Part im Ohr, steigt die Vorfreude auf das Nachtleben. Daraufhin werden zusammen mit Hundreds und ihrem Song Solace sorgfältig Kleidungsstücke aus dem Schrank gezogen und wahlweise wieder zurück gestopft. Irgendwann sitzt und passt alles und Dank Oliver Koletzki und Fran schwebt man leichtfüßig umher und versucht noch den Müll der letzten Party zu beseitigen. Die Partygäste werden begrüßt und schwups wird schon die dritte Weinflasche zu Plastic People von Four Tet geöffnet. Irgendwann beschließt irgendjemand loszumachen und sich durch die grausame Kälte zum nächsten Club zu schleppen. Auf dem Weg dorthin wird gesungen, getrunken, gejammert und zu Caribous Hannibal getanzt, während man versucht den ein oder anderen Schuh nicht im mannshohen Schnee zu verlieren. Gerade richtig zu Township Funk von Dj Mujava hat man den Club erreicht. Die Jacken werden in die Ecke geworfen und die Kälte beim Tanzen abgeschüttelt. Es dauert nicht lang und alle sind in ihrer eigenen elektronischen Welt verloren gegangen und sie werden auch nicht vor dem Morgengrauen von dort zurückkehren. Gegen Morgen werden die letzten Kräfte aktiviert um den Heimweg anzutreten und während das einzige Geräusch die eigenen Schritte im Schnee sind, summt man leise ‚you’re left alone and sometimes it feels wrong‘ sich her, bevor man dann endlich zufrieden ins Bett fällt.

Christine Dudek – schleppt und jammert sich durch die grausame Kälte ohne dabei den einen oder anderen Schuh zu verlieren

Tracklist:
Four Tet – Angel Echoes (John Hopkins Remix)_Christian Prommer – Oxygen Part IV_ Hundreds – Solace_Oliver Koletzki – Echoes (Solomun Remix)_Toddla T – Come Out And Play (Two Bears Tuned To Riddim Mix)_Four Tet – Plastic People_ Caribou – Hannibal_ DJ Mujava_Township Funk (Crazy P Remix)_Marek Hemman – Left

 

Marika:
Das Jahr 2010: Von allem etwas und vor allem etwas viel Indietronic, Indie und Electro. Dies aber auch völlig zurecht, denn dieses Jahr konnten einige Künstler durchaus beweisen, dass sie wirklich gute Musik machen können. Dies betrifft nicht nur die alten Electronica- Pioniere wie Boys Noize oder Justice, deren Werke immer wieder gerne Gehör geschenkt wird, seien es auch nur Jeffer oder Phantom, die dieses Jahr rauf und runter gespielt wurde. Genervt? Eben nicht. Unsere wertvollen Kristalle, die 2010 sehr glitzerten, nämlich Crystal Castles und die Crystal Fighters, haben dieses Jahr durch ihre gelungenen Alben in jedem Track einzigartigen (Kristall-)Glanz gezeigt, wenn auch nicht immer kristallklar. Dieser Mix vereint die Chartbreaker wie La Roux' Bulletproof mit unbekannteren Künstlern wie Kasper Bjorke und Thomas Andersson in einem sehr hörbaren Gesamtpaket, bunt und laut, wie das Jahr 2010.

Antonia Margaux – zählt glitzernde Kristalle

Tracklist:
Crystal Castles - Courtship Dating_
The Faint - Your Retro Career Melting_ Caribou- Odessa_ Crystal Fightersx-tatic truth_ La Roux- Bulletproof_ Boys Noize – Jeffer_ Chew Lips – Solo_ Thomas Andersson - Washing up_Munk - Disco Clown _ Joakim - I wish you were gone_Casco presents - Stop_Kasper Bjorke - Young again_The MFA - Disco to break_Justice – Phantom

Christian:
Der Opener „One Or Two Ghosts“ von Bodi Bill stimmt den Hörer mit seinen Harmonien und Vocals zunächst auf ein melancholisches Hörerlebnis ein. Doch schon beim folgenden Track Destabilise von Enter Shikari wird klar, dass dieses Mixtape weder einseitig noch langweilig ist. Mit ULTRNX, Boys Noize, Frittenbude und Feadz widmet sich das Tape nun treibendem Elektro mit mitreißenden Beats und beweist anschließend erneut seine Unberechenbarkeit. Kaum sind die letzten Bassschläge von „The T.U.F.F.“ verklungen meldet sich Thom Yorke zu Wort. „Harrowdown Hill“ knüpft stilistisch schon eher an den Opener an und bildet dennoch keinen Rahmen, denn Der Tante Renate macht mit dem Hörer nochmals einen Elektro-Abstecher bevor er mit Four Tet’s Remix für The XX’ „VCR“ wieder auf den Boden zurück geholt wird. An die hier verwendeten Samples schließen sich die Lead-Sounds von „Love Your Abuser“ nahezu perfekt an. Doch bevor man so richtig zur Ruhe gekommen ist folgt ein letzter dramaturgischer Richtungswechsel- ja genau – zum Elektro. Hey Today und Boys Noize schaffen einen gelungenen Abschluss dieses spektakulären Mixes.

Lisa Haupt – ist von der Unberechenbarkeit dieses Mixes eumofiziert

Tracklist:
Bodi Bill – One Or Two Ghosts_Enter Shikari – Destabilise_ULTRNX – She_ Boys Noize – Jeffer_Frittenbude – Raveland_Feadz – The T.U.F.F._ Thom Yorke – Harrowdown Hill_Der Tante Renate – Trapped_ The XX – VCR (Four Tet Remix)_ Lymbyc System – Love Your Abuser_ Her Today – Nerve_ Boys Noize – Noff

Antonia:

Entspannung für Zwischendurch
Die MixCD ist eine Ansammlung von bekannten und auch eher unbekannten Songs aus dem Jahr 2010. Der große Teil der Lieder ließe sich im Indie Genre einordnen, wobei es auch keline Ausbrüche Richtung Elektro und Ambient gibt. Mit Künstlern wie Miike Snow, Chromeo, The XX und Belle and Sebastian lässt sich erstmal wenig falsch machen, allerdings wirkt das Gesamtkonzept der CD nicht immer in sich stimmig. Eine Gesamtstimmung lässt sich schwer ausmachen, träumerische Momente werden immer wieder von geradlinigen Gitarren unterbrochen. Am Besten wohl zum Kochen, zum Hintergrunddudeln oder zum Autofahren zu genießen.

Ferdinand Sehrndt – entspannt sich beim Kochen mit Hintergrundgedudel

Tracklist:
Miike Snow_Black And Blue_ Brandon Flowers – Crossfire_ Rooney – Holdin' On/Can't Get Enough_Chromeo – Night By Night_ Brandon Flowers – Only The Young_ The XX – VCR_ Empire Of The Sun – We Are The People_ Mariage Blanc – Whatever You Say I Am_Belle & Sebastian – Write About Love_ Elizabeth & The Catapult – You And Me_ The Dance Inc – You Should Be On My Mind

Es hallt schwäbisch: Tines Mixtape

Spieglein, Spieglein an der Wand... sagte man noch zu grimmigeren Zeiten. Heute heißt das 'Mixtape, Mixtape im CD-Player'. Doch im Gegensatz zu annodazumal fragt man nowadays nach den inneren Werten: Denn besser als jede Spiegel-I-Phone-App offenbart ein in akribischer Kleinstarbeit zusammengestellter Mix das wahre Wesen des jeweiligen Musik-Euphorikers. Es trennt die Spätzle von den Nudeln. Sozusagen. Und ganz unschwäbisch geizt Tines Wichtel-Mixtape nicht mit den meistrezipierten Bands des Jahres: Warpaint, Twin Shadow und Arcade Fire. Dass aber auch ordentlich Schuhsohlenabrieb auf der Tanzfläche gelassen wurde, beweisen Two Door Cinema Club und Oh Land. Zu den großen Namen und den großen Tanzgesten gesellen sich auch große Gefühle. Den Rahmen dafür bilden das zeitlose 'You´ve got the love' im The XX Remix und Xavier Rudd & Izintaba mit 'Love comes and goes'. Das wunderbare 'Airplanes' der Local Natives und 'Big Jet Plane' von Angus & Julia Stone kommen am empfindsamen Gateway an und lassen vermuten: Tines heart is an airport! Ihr Mixtape ist auf jeden Fall einer - mit der richtigen Mischung aus abheben und landen.

Jakob Sauerwein - Flugangst weg dank Mixtape

Tracklist:
The XX - You´ve Got The Love (Remix)_Crystal Castles - Celestica_Beach Hose - Used To Be_Local Natives - Airplanes_Munford & Sons - The Cave_Warpaint - Undertow_Angus and Julia Stone - Big Jet Plane_Two Door Cinema Club - Something Good Can Work_Twin Shadow - Castles In The Snow_Arcade Fire - The Suburbs_Oh Land - Sun Of A Gun_Hot Chip - One Life Stand_Xavier Rudd & Izintaba - Love Comes And Goes

Zugezogen Maskulin melden sich nach über zwei Jahren eindrucksvoll zurück, viel verändert hat sich nicht. Und das ist auch gut so. Die Wut mit der sie schon auf „Alles Brennt“ rappten, bringen Testo und Grim jetzt auch auf „Alle gegen Alle“ rüber.

Der Titel ist Programm. Im neuen Album wird nahezu jede Gesellschaftsschicht und jedes Milieu Deutschlands und der westlichen Welt thematisiert, von Berlin Mitte über scheinbar kluge Satiriker bis zur ostdeutschen Provinzbevölkerung. Und vor allem deren Gräben. Quasi Alle gegen Alle.

Obwohl sie zwei Jahre an dem Album gearbeitet haben, treffen sie einen Nerv - das Auseinanderdriften der Gesellschaft, ganz besonders das moralische Erheben Einzelner gegenüber der breiten, teilweise abgehängten Masse.

Besonders hervor sticht neben den beiden Vorab-Singles „Alle gegen Alle“ und „Was für eine Zeit“ auch der Track „Yezzy Christ Superstar“. Dieser steht symbolisch für das Leben der heutigen Jugend. Solange das Outfit und der Instagram-Feed stimmen, ist alles ertragbar. Dass die moderne Leistungsgesellschaft auch Opfer hat, thematisieren Zugezogen Maskulin auf „Der müde Tod“. Denn nicht für alle Menschen ist das Leben Friede, Freude, Kunstaustellung.

Musikalisch knüpft „Alle gegen Alle“ beim Vorgänger „Alles Brennt“ an. Genauso impulsiv und frontal präsentiert sich das Klangbett und passt damit bestens zu Testo und Grim. Somit ist bei ihren Konzerten wieder Abriss, Ekstase und Pogo garantiert.

Viel lassen Sie nicht vermissen, außer eventuell eine Radiosingle. Aber wer Untergrund rappt, braucht diese auch nicht. Zugezogen Maskulin schaffen mit der neuen Platte den perfekten Nachfolger zu „Alles Brennt“ und setzen eindrucksvoll ihren Stempel auf das prall gefüllte Deutschrapjahr 2017.

Text: Marcel Kröber

Video

ODESZA (Harrison Mills und Clayton Knight) gelten zurecht als eine der populärsten Gruppen im Bereich der elektronischen Musik und haben den Ruf, ihre Fans auf ihren regelmäßig ausverkauften Live-Konzerten besonders glücklich zu machen.

Harrison Mills und Clayton Knight haben in ihrer noch jungen Karriere bereits eine Grammynominierung sowie goldene Schallplatten für ihre Singles erhalten und bei Spotify und YouTube zusammen über eine halbe Milliarde Plays angehäuft. Mit zwei komplett selbst produzierten Studioalben erschafft das Duo aus Seattle atmosphärische, filmische Musik, die die Grenzen zwischen den Stilen verwischt, in denen sie sich bewegen. Gleichzeitig legen sie aber viel Wert darauf, live auch jene Instrumente zu spielen, die im Studio zum Einsatz kamen, wie es ihre zahlreichen Konzerte bezeugen. Nebenbei schafften sie es sowohl 2015 als auch 2016, jedes ihrer Konzerte auszuverkaufen (nebst Headlinershows auf den größten Festivals weltweit), zuletzt erst bespielten sie die Bühne des knapp 10.000 Plätze fassenden Red Rocks Amphitheaters – gleich zwei Abende hintereinander.

Das neue Album „A Moment Apart“ präsentiert sich gereift; ein Sound, der insbesondere auf Atmosphäre setzt, auf funkelnde Synth-Lines – und auf Gefühle wie Nostalgie, Zuversicht und Hoffnung. Die namhaften Gäste auf dem Album sind u.a. Leon Bridges, Regina Spektor, und RY X. Eklektisch? Aber sicher!

Das Schlussstück des Albums, „Corners Of The Earth (feat. RY X)“, eines der beiden heute bereits veröffentlichten Vorabstücke, baut auf einer schaurigen Gesangsperformance von RY X auf, die sich durch episch-donnernde Low-EndSynthesizer kämpft, während Bläsersätze und Chöre zum Finale in ein wahrhaftes Crescendo hineinsteigern. Der Track verschmilzt so zu einem emotionalen, nahezu filmischen Höhepunkt, ganz nach der geschätzten Produktionsweise von ODESZA.

„Meridian“ ist ein weiterer ODESZA-typischer Track, der mit rhythmisch pulsierenden Drums und kraftvollen Vocals gleichermaßen die subtile Klangverschiebung des Duos hörbar macht, die man womöglich bereits der Covergestaltung abzulesen wusste, die von Harrison Mills und Michelle Gadeken besorgt wurde.

Die 16 Tracks des Albums ergeben ein Gesamtbild und erzählen eine musikalische Geschichte, welche Odesza zu erzählen wissen: diffizil, abwechslungsreich, sphärisch und auf der Reise zwischen Pop und Elektro; feingliedrig und manchmal auch kurz brachial:
Macht euch ein eigenes akustisches Bild, wir können es euch absolut...

In der Musik ist es wie im Weltgeschehen. Findet ein Systemwandel statt, lässt die Gegenrevolte meist nicht lange auf sich warten. Die Zukunft der Musik konnten in den 1980er-Jahren nur Besserverdiener gestalten. Sampling war das Zauberwort der Stunde und wer eine halbe Million Dollar lockermachen konnte, durfte mitsampeln - an inzwischen vollkommen veraltet-bräsigen Maschinen. Die Jugend, seit jeher wichtigster Impulsgeber der Popmusik, durfte keinen Trevor Horn vorweisen, weil sie sich der Produktionsmittel nicht bedienen konnte.

Während des Wechsels ins neue Jahrzehnt roch es förmlich nach Revolution in den Clubs, als DJs die Musik schnelltaktignachhaltig veränderten. Mit einfachen Mitteln: Zündende Ideen, zwei Turntables, ein mittlerweile erschwinglicher Sampler, ein Mikro und eindringliche oder originelle Stimmen. Die Hits kamen wieder aus dem Underground, von schweißgebadeten Fanatikern, die House-Beats mit eigenen kurzen-prägnanten Melodien mischten. Techno-Dance, die Jugend- und Partykultur, deren Ausläufer bis heute andauern, krempelte die Musikwahrnehmung für immer um.

Alex Christensen, DJ erster Stunde - übrigens: lange bevor es USB-Sticks gab! - war tonangebender Mitinitiator der Techno-Dance- und Eurodance-Bewegung. Er ließ erst Deutschland, dann Europa und schließlich die ganze Welt tanzen. Beinahe im Alleingang. Ritmo de la noche, der Sommerhit des Jahres 1990 stammte aus seiner Feder. Danach ging es für den selbsternannten Musikverrückten aus Hamburg Schlag auf Schlag: Die erste Goldene für Ritmo, endlos Anfragen für Produktions-Jobs, jeder Club wollte den DJ von der Elbe als Garant für volle Häuser buchen.

1991 zündete er schließlich einen Knaller ungeahnten Ausmaßes: Das Boot von U96 hielt sich geschlagene 13 Wochen auf #1 der deutschen Singles-Charts, sorgte europaweit für Furore und ebnete der Techno-Szene eigenhändig den Weg in den Mainstream. Alex Christensen wurde allgegenwärtig: BRAVO-Titelbild, Gastrollen in Hollywood-Filmen und in der Marienhof-Serie - das volle Programm. Was zunächst keiner ahnte, ist heute Gewissheit. Der Name Alex Christensen ist zu einem der wenigen beständigen Brandings der internationalen Musikszene geworden.

Die Liste seiner Credits liest sich so lang wie beeindruckend. Er arbeitete mit Udo Lindenberg, Helene Fischer, Söhne Mannheims, Tom Jones, Paul Anka, Sarah Brightman, Mark Wahlberg aka Marky Mark, er saß bei Popstars in der Jury, feierte immer wieder mit eigenen Songs Riesenerfolge (Du hast den schönsten Arsch der Welt) und blieb dabei immer einer, der sich am liebsten hinter den Kulissen verortete. Spricht man heute mit ihm, bezeichnet er sich als "Familienmensch und Musikbesessener, der es nicht sein lassen kann und sich immer wieder selbst herausfordert, neue musikalische Abenteuer auszuprobieren".

Musik fördere bei ihm geradezu kindhaften Spieltrieb, führt er weiter aus. Immer noch. Nach zigtausenden Stunden im Studio, im DJ-Booth, an Analog-Equipment, mit dem mühelos ein Truck zu füllen gewesen wäre. Man glaubt es ihm ungesehen. Seine Range, die Bandbreite an Musikspielweisen, mit denen er der Popmusik seit mittlerweile drei Jahrzehnten Impulse verleiht, ist beispiellos. Dance-Tracks, Balladen, Electronic-Exkursionen, klassische Singer-Songwriter-Projekte, lupenreiner Pop - in der Produktionsweise von Alex Christensen klingt alles, wie es klingen soll, aber nie beliebig. Das bislang außergewöhnlichste Projekt von Alex Christensen, steht nun endlich vor der Vollendung.

Mit ...

Die irisch-amerikanische Folk-Rock-Band Flogging Molly (dt.: peitschende Molly) haben am 2. Juni ihr neues Album "Life Is Good" veröffentlicht. Bekannt sind sie seit ihrer Gründung 1997 durch ihren einmaligen irischen Sound, unterstrichen von Violine, Mandoline und Akkordeon. Das neue Album ist - als Nachfolger von Speed of Darkness (2011) - das nun schon sechste Studioalbum. Nie waren soziales und politisches Bewusstsein mehr im Vordergrund. 

Auf der Platte befinden sich tolle tanzbare Nummern wie The Hand of John L. Sullivan, Welcome to Adamstown oder The Bride Wore Black. Besonders die Verbindung zu ihren Wurzeln lassen sie deutlich spüren. Sehnsuchtsvolle Nummern wie The Last Serenade (Sailors and Fishermen) oder Life Is Good sind auch vorhanden. 

Das Album entführt den Hörer in einen irischen Pub, wo sich Gott und die Welt bis spät in die Nacht bei bester Musik über Dinge austauscht, die die Leute bewegen. Denn darum geht es bei Flogging Molly, dieses Gefühl von irischer Mentalität. Die Songs peitschen nur so die gute Stimmung und Laune voran. 

Sänger Dave King:"In Irland geht man in einen Pub, um sich zu unterhalten. Genau das machen wir jeden Abend auf der Bühne: in den Pub gehen und Geschichten austauschen."

In aller erster Linie sind Flogging Molly allerdings eine noch coolere Liveband, die gerade mit den Broilers und Vollbeat auf Tour ist: 
14. Juli: Dresden - Elbufer (w. Broilers)
15. Juli: Berlin - Wuhlheide (w. Broilers)
30. Juli: Thun - Stockhorn Arena (w. Vollbeat) SCHWEIZ
1. September: Graz - Messe (w. Vollbeat) ÖSTERREICH
3. September: Schweinfurt - Willy Sachs Stadion (w. Vollbeat) 

Video 1

Album Teaser

Mit Hits wie "Waterfalls", "No Scrubs" und "Creep" sowie 65 Millionen verkauften Alben, vier Grammys, Platin- und Diamant-Auszeichnungen, zehn Top-10- und vier Nummer-1Singles gehören TLC bis heute zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Girlgroups aller Zeiten. Das Tomboy-Trio vermengte Rap, R&B und Soul auf ganz eigene Weise, setzte modische Statements, predigte die Selbstermächtigung der Frau und legte in den 90er Jahren schon den Grundstein für die nächste Girlgroup-Generation um Beyonce Knowles und ihre Destiny's Child.

Aber nach dem Lisa "Left Eye" Lopes im Jahr 2002 sieben Monate vor der Veröffentlichung des letzten TLC-Albums "3D" bei einem Autounfall ums Leben kam, wurde es ruhig um die beiden verbliebenen Mitglieder Tionne "T-Boz" Watkins und Rozonda "Chilli" Thomas. Erst 2013 kehrten die beiden zurück auf die Bildfläche, spielten in Japan restlos ausverkaufte Konzerte und erhielten dort für ihr Lebenswerk den MTV Legend Award.

Nach anschließenden Touren in den USA und Australien meldeten TLC sich 2015 schließlich mit einem Spendenaufruf zurück. Mithilfe der Crowdfunding-Plattform Kickstarter sammelte das Duo 430.000 US-Dollar für die Produktion einer neuen Platte. Künstler wie Katy Perry, New Kids on the Block und Justin Timberlake beteiligten sich an der Aktion. Das Ergebnis: "TLC", das erste TLC-Album seit 15 Jahren!

Und gleich der erste Track gibt die Marschrichtung vor. Der Name "No Introduction" ist dabei Programm. Die Sprechchöre, die lautstark "T-L-C!" skandieren, machen deutlich: Nein, diese beiden Damen brauchen garantiert keine Vorstellung mehr. "Way Back" mit Westcoast-Rap-Legende Snoop Dogg lässt im Anschluss Erinnerungen an alte Zeiten wach werden. Ein astreiner Throwback-Track zu dessen Golden-Era-Sound T-Boz und Chilli sich an unbeschwerte Highschool-Partys und das Hören von Michael-]ackson-Alben erinnern - und gleichzeitig die Hochs und Tiefs ihrer Freundschaft zelebrieren.

Auf "TLC" geben sich T-Boz und Chilli so vielseitig wie eh und je. "Scandalous" zieht einen mit nervösen Hi-Hats, brummenden Bässen und hypnotisiernden Synthies auf den Dancefloor, während "Aye MuthaFucka" als zurückgelehnt-selbstbewusster Representer auf Blechbläserbasis daherkommt. Und wenn Left Eye sich im nach ihr benannten Interlude via archivierter Anrufbeantworteraufnahme über einen lockeren Beat zu Wort meldet, dann fühlt es sich für einen ganz kurzen Moment so an, als seien die drei wieder vereint.

Aber TLC blicken nicht nur zurück. "Haters" ist ein echter Pop-Banger.

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