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Busfahren im Vogtland

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Unser Redakteur Bernd hat eine Reise ins Vogtland unternommen und konnte seine Erlebnisse nicht unkommentiert lassen.

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Nur die wenigsten die ein Student_innen-Jahresticket ihr Eigen nennen dürfen, wissen es. Aber eben dieses Ticket gilt auch in den Öffentlichen Verkehrsmitteln im Vogtland. Landschaftlich reizvoll und immer einen Ausflug wert liegt dieser Landstrich ganz im Südwesten unseres Freistaates. Und ja dort fahren auch Busse.

Neulich hatte ich im Vogtland etwas zu erledigen und habe mich im Voraus über das Verkehrsangebot informiert. Immerhin aller zwei Stunden sollte mich ein Bus von meinem Ausgangspunkt zum nächstgelegenen Bahnhof drei Dörfer weiter bringen.

Um den Bus auch sicher nicht zu verpassen, stand ich also 10 Minuten vor der Abfahrtszeit an der liebevoll mit Blumenkübeln voller Frühblühern geschmückten Bushaltestelle. Ein hübsches Holzwartehäuschen gab's da auch. Kaum hatte ich mich an diese heimelige Atmosphäre gewöhnt rollte es schon an, dieses Gefährt, das der Bus sein sollte.

Ein zum Kleinbus umgebauter VW-Transporter. Breite Schwenktüren vorn, eine schmale Tür hinten, einen Rollstuhlstellplatz, 12 Sitze und 4 Klappsitze, von außen bunt beklebt mit Werbung für den attraktiven ÖPNV im Vogtland und reichlich fünf Minuten zu früh, so kam sie daher meine Transportgelegenheit.

Kaum war ich eingestiegen, wurde ich vom kräftigen Anfahren des Vehikels auf der ersten Sitzreihe zwangsniedergelassen. Dann ging es mit missionarischer Geschwindigkeit über die Schlaglochpiste ins nächste Dorf. Vielleicht fragt ihr euch jetzt was missionarische Geschwindigkeit sein soll. Ganz einfach: Wer da mitfährt lernt das Beten!

Im nächsten Dorf bremste der Fahrer das Automobil unvermittelt und stieg mit den Worten "Ich komm glei wieder!" aus und ging in das Fleischereifachgeschäft auf der anderen Straßenseite. Bewaffnet mit seinem Mittagessen kam der Fahrer wenig später wieder und der Höllenritt ging weiter bis vor die örtliche Grundschule. Dort war laut Fahrplan ein Aufenthalt nötig. So wurde mir dann auch der Zweck der verfrühten Abfahrt und der Raserei gewahr: Der verlängerte Halt vor der Grundschule musste als Mittagspause herhalten. Meine Bitte, mich doch später am Bahnhof raus zu lassen, wurde mit einem geschmatzten "geht klar" quittiert.

Die nach und nach einsteigenden Grundschüler brachten die Kutsche fast zum Platzen. Nachdem jeder ein Plätzchen gefunden hatte ging es begleitet von lautem Geschnatter weiter. Diesmal in gesittetem Tempo und genau nach Fahrplan. Wie versprochen wurde ich am Bahnhof rausgelassen. Um eine Nahtoderfahrung reicher sinnierte ich noch eine Weile über das zuvor erlebte und empfand dann doch so etwas wie Dankbarkeit. Denn ohne die Schule, den Minibus in dem außer mir und den Schülern nur ein weiterer Fahrgast saß und die improvisierte Mittagspause für den Fahrer, gäbe es wohl zwischen den kleinen Orten im Vogtland gar keinen Öffentlichen Nahverkehr mehr.

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