„Dance with the Devil“ ist bis heute der Song, mit dem viele Immortal Technique zum ersten Mal begegnen – und den sie so schnell nicht wieder vergessen. Der 2001 erschienene Track wirkt deshalb so nachhaltig, weil er mit unfassbarer lyrischer Präzision jede Szene glasklar vor Augen führt und dabei eine regelrecht heftige Geschichte erzählt, ohne jegliche Beschönigung. In einer Zeit, in der Gangsta-Rap das Leben auf der Straße vielfach glorifizierte, zeigt Immortal Technique die Kehrseite: Was passiert, wenn man sich dem Bösen hingibt – wenn man mit dem Teufel tanzt.
Hinter dem Künstlernamen steht Felipe Andres Coronel, 1978 in Lima geboren. 1980 floh seine Familie vor dem Bürgerkrieg in Peru nach Harlem. Er machte sich als gefürchteter Battle-Rapper einen Namen, finanzierte mit den Preisgeldern sein Debüt „Revolutionary Vol. 1“ und verkaufte seine Musik anfangs selbst auf den Straßen New Yorks. Dieser Linie ist er treu geblieben: Einen Vertrag bei einem Major-Label hat Immortal Technique nie unterschrieben, um die Kontrolle über seine Inhalte zu behalten. Seine Alben erscheinen über das unabhängige Label Viper Records, dessen Fäden er heute selbst in der Hand hält.
Seine Wurzeln trägt er dabei stets mit sich. Immer wieder rückte er die Perspektive der Latinos in den USA und die Geschichte Lateinamerikas ins Zentrum und gab so einer Minderheit eine Stimme, die im Mainstream selten zu Wort kam.
Wer diesen Ausnahmekünstler noch nicht kennt, sollte unbedingt das Hören seiner Alben nachholen. „Revolutionary Vol. 2“ (2003) steht dabei ganz vorne: ein Album, randvoll gefüllt mit soziopolitischer Kritik, das das musikalische Wesen von Immortal Technique am eindrücklichsten veranschaulicht. Er rechnet darin mit der US-Regierung der Bush-Ära ab, nimmt die Macht der Konzerne über die Medien ins Visier und folgt immer wieder dem Weg des Geldes – etwa in „Peruvian Cocaine“.
Das Ausnahmewesen dieses Künstlers zeigt sich nicht nur in seiner Musik, sondern auch in seinen Handlungen. Während viele Rapper mit einer Botschaft starten und im Dienst von Konsum und Kapital enden, ging Immortal Technique einen anderen Weg. Mit den Erlösen seines Albums „The 3rd World“ half er 2008 beispielsweise beim Bau eines Waisenhauses in Kabul, außerdem besucht er Gefängnisse, um mit jungen Insassen zu sprechen. Ein Revolucionario – nicht nur im Albumtitel.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. In Interviews und Podcasts spricht er über Krieg, Imperialismus und soziale Ungerechtigkeit – ohne Rücksicht darauf, ob es seinem Image schadet. Während sich viele Künstler beim Thema Palästina lieber bedeckt halten, um keine kommerziellen Nachteile zu riskieren, bezieht er klar Stellung für die Unterdrückten. Dass er sich das leisten kann, verdankt er nach eigener Aussage seiner Unabhängigkeit von den großen Labels.
Für alle, die nach dem Motto „Keep it Real“ leben und an echter Hip-Hop-Geschichte interessiert sind, ist dieser Abend Pflicht. Immortal Technique gehört zu den prägenden Figuren des US-amerikanischen Untergrund-Raps – jener Szene, ohne die der Rap, wie wir ihn heute weltweit kennen, kaum denkbar wäre.
Nur zwei Deutschland-Termine stehen auf dem Plan: am Montag, 19. Oktober, im Gretchen in Berlin-Kreuzberg und tags darauf, am 20. Oktober, in der Essigfabrik in Köln. Los geht es jeweils um 20 Uhr. Macht euch bereit!
