Haus Auensee, Leipzig, 31. Januar 2026
Es war einer dieser Abende, an denen sich die Erwartungen im Saal wie ein gespannter Bogen formten und Beyond the Black ihn zielgerichtet abschossen. Das Haus Auensee war gut gefüllt, der Einlass pünktlich, das Programm ambitioniert. Mit Supportacts, Bühnentechnik und dem Headliner summierte sich die Spielzeit an diesem Abend auf rund 3,5 Stunden. Am Ende blieb das Gefühl, einen kompletten, sorgfältig inszenierten Abend erlebt zu haben, der musikalisch wie atmosphärisch wenig Wünsche offenließ, trotz der personellen Erschütterungen, die sich hinter den Kulissen abzeichneten.
Der Vorabend: Energie und Kontraste
Der Abend begann wie angekündigt pünktlich um 19:00 Uhr. Die Vorband Seraina Telli eröffnete mit einem warmen, songorientierten Set, das Nähe zum Publikum suchte, als ein freundlicher, persönlicher Auftakt, der die Zuhörer einstimmte. Anders dann SETYØURSAILS: Metalcore mit voller Wucht, Breakdowns und körperlicher Energie. Der Übergang von Intimität zu ungezügelter Energie gelang abrupt und überzeugend. Moshpits bildeten sich, Crowdsurfing war zu sehen, das Publikum wurde wachgerüttelt, ohne aus der respektvollen Spur zu geraten. Die Fans blieben rücksichtsvoll, selbst in hitzigen Momenten.
Eine Band unter Druck
Kurz vor dem Headliner-Set legte sich eine leichte Spannung über die Halle. Drummer Kai Tschierschky war erkrankt. Was drohte, die Show zu gefährden, wurde vor Ort zu einer Demonstration kollegialer Flexibilität. Henrik Kellersohn (Drummer von SETYØURSAILS) sprang spontan ein, später übernahm Tim Breideband. Dass beide Musiker in kurzer Zeit den Takt des Abends hielten, verdient Respekt, technisch wie auch menschlich. Die Band spielte ihr Set mit der Ruhe und dem Können. Im Nachgang wurde bekannt, dass die kurzfristigen Ausfälle die Band stärker treffen würden. Nur wenige Tage später musste die Tour verschoben werden. Ursache waren die anhaltende Erkrankung von Kai sowie ein medizinischer Notfall bei Gitarrist Chris Hermsdörfer. Vor diesem Hintergrund bekommt die souveräne Leistung an jenem Abend noch mehr Gewicht.
Neues Kapitel trifft Best-of
Beyond the Black spielten rund 90 Minuten eine dichte, fokussierte Setliste, in der etwa die Hälfte der Songs aus dem neuen Album vertreten war, ergänzt durch bewährte Klassiker. Diese Mischung funktionierte. Die neuen Stücke fanden live mühelos Anschluss an die älteren Hits. Man spürte, dass das Material auf Bühnenpräsenz hin geschrieben ist. Jennifer Haben stand erwartungsgemäß im Zentrum. Ihre Stimme trug klar und emotional. Selbst in den leiseren Momenten blieb jede Silbe präsent. Stücke wie die hymnischen Refrains sorgten für große Mitsing-Passagen. Ruhige, atmosphärische Momente wurden von den LED-Wänden visuell aufgefangen und vertieft.
Visuell setzte die Produktion auf großformatige, gestaffelte LED-Wände, die jeweils mit passgenauen Visuals bespielt wurden. Die Bilder strukturierten das Set, verstärkten dramaturgische Bögen und unterstützten die emotionale Lesbarkeit der Songs. Licht und Bild arbeiteten eng zusammen. Das Ergebnis wirkte fast schon filmisch. In Verbindung mit einer sauberen Tontechnik entstand ein Livebild, das den orchestralen Anspruch der Band ebenso ernst nahm wie ihre Eingängigkeit.
Auffallend war die kollektive Ruhe und Rücksicht, die das Publikum an den Tag legte. Trotz der Energie, die in bestimmten Momenten spürbar war, blieb das Verhältnis zwischen Band und Zuschauern von Wertschätzung geprägt.
Tickets / Nachholtermine
Wenige Tage nach der Show wurde die anschließende Tourpause öffentlich gemacht. Wer Karten besitzt oder auf Nachholtermine hofft, sollte die offiziellen Kanäle von Beyond the Black und den Veranstaltern verfolgen. Für geplante Ersatztermine und Resttickets sind die Vorverkaufsstellen die verlässlichste Quelle. Dort lassen sich Verfügbarkeiten und Umbuchungsmodalitäten prüfen.
Der Leipziger Abend bleibt ein Konzert, musikalisch genauso funktionierte, wie es menschlich berührte, als Live-Statement in Zeiten, in denen Pläne nicht immer halten, aber gute Musik verbindet.
