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Summary

Flogging Molly im Interview

Sie sind für ihren Irish-Folk-Rock bekannt und verwandeln jedes Publikum in eine tanzwütige Menge. Die Rede ist von Flogging Molly. Erst letzte Woche waren sie unser Musiktipp der Woche. Und wie das Schicksal es so wollte, durften wir am Freitag ihr Konzert in Dresden bei den Filmnächten am Elbufer live miterleben. Als Support der Broilers lieferten Flogging Molly gegen 19.30 Uhr eine Show der Extraklasse ab. Trotz des strömenden Regens wurde die Stimmung von Lied zu Lied immer angeheizter. Neben alten Klassikern spielten sie drei Songs vom neuen Album "Life Is Good". Es war ein total tolles, wenn auch nasses Konzert. Wir wären nicht UNiCC, wenn wir die Chance nicht nutzen würden, die Band auch gleich einmal zum Interview einzuladen. Vor dem Konzert hat sich eine tolle Möglichkeit ergeben. Aber lauscht selbst, was sie zu sagen hatten: 

Audiobetrag

Interview

Anika: Zu Beginn, könntet ihr euch kurz den Leuten, die euch nicht kennen, vorstellen? Vielleicht du zuerst?

Bob: Ja, ich bin Bob Schmidt und ich spiele Mandoline und Banjo.

Matt: Ich bin Matt Hensley und ich spiele Akkordeon.

Anika: Okay danke, zu allererst Glückwunsch zum 20. Bandjubiläum. Hättet ihr gedacht, dass ihr 20 Jahre später immer noch hier sein und Musik spielen und Songs schreiben würdet? Also rückblickend? 

Bob: Nein, ich glaube wir haben gar nicht darüber nachgedacht, was 20 Jahre in der Zukunft sein könnte. Damals war das definitiv viel mehr… (lacht)

Matt: Wir haben viel mehr versucht herauszufinden, wie wir in der nächsten Woche unseren Autotank voll bekommen können. (beide lachen) Aber wir haben diese Band immer sehr ernst genommen. Aber niemand hat uns je gefragt, oder besser niemand hat je darüber gesprochen, ob wir in 20 Jahren noch spielen werden.

Anika: Bin ich richtig informiert, dass einige von euch aus Amerika kommen und einige ihre Wurzeln in Irland haben, ist das richtig? (beide nicken) Könntet ihr kurz den Unterschied zwischen beiden Mentalitäten beschreiben? Was ist der Unterschied zwischen der amerikanischen und irischen Lebensweise, dem Lebensgefühl, falls das überhaupt möglich ist?

Bob:(lacht)

Matt: Oh das ist eine komplizierte Frage. Dave (der Sänger) ist in Dublin, Irland geboren. Und der Rest von uns hat ihn dann in Los Angeles getroffen in der Bar „Molly Malone’s Irish Pub“. Und wir sind eine Gruppe von Kumpeln, die alle von unterschiedlichen Orten kommen. Viele von uns haben irische oder keltische Wurzeln, mexikanische Wurzeln oder von überall sonst her. Ich weiß nicht, wie man am besten die Unterschiede zwischen den USA und dem irischen Lebensstil beschreiben kann.

Bob: In Amerika nennen sie es eine Bar und in Irland ein Pub. (lacht) Das ist der Hauptunterschied. Das ist alles.

Anika: Die für mich wichtigste Frage… Ihr schreibt eure Musik selber, was bedeutet euch persönlich Musik?

Bob: Und wieder ist das eine sehr umfangreiche Frage. (lacht) Für mich ist es eine Art mit Menschen kommunizieren zu können. Und es ist diese Art, die mir persönlich am besten gefällt. Und ich weiß, wie ich das angehen kann. Auf diese Weise zu kommunizieren fällt mir leicht.

Matt: Ich glaube Kommunikation und Musik gehören zu den Dingen im Leben, die magisch sind und die man nicht wirklich erklären kann und die, die meisten Leute mögen. Das waren auch die allerersten Emotionen, die mein Sohn gezeigt hat, als er geboren wurde. Jetzt ist er 19. Aber als er ein kleiner Zwerg war, ganz klein, ein bis zwei Monate alt vielleicht, da hat er bereits auf Musik reagiert. Deshalb glaube ich, dass Musik etwas so Magisches ist, und sie Menschen begeistern kann. Ich mag den Gedanken, dass ich mich glücklich schätzen kann, in einer Band zu sein, etwas kreieren zu können, dass Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Anika: Oh, das hast du schön gesagt. Es ist schon sehr lange her, als ihr das letzte Mal neue Musik veröffentlicht habt. Seit sechs Jahren habt ihr an neuer Musik/ einem neuen Album „Life Is Good“ (dt. Das Leben ist schön) gearbeitet. Aber bevor wir über das Album reden, was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht? Sechs Jahre sind eine lange Zeit.

Matt: Ich habe Urlaub an den abgefahrensten Stränden auf der ganzen Welt gemacht und Bob… (schauen sich verschmitzt an)

Bob: Ja und wir haben gegolft und sind Go-Kart gefahren. (lacht) Nein wir haben eine Menge getourt und…

Matt: Ja wir haben uns unseren Arsch abgetourt…

Bob: Ja. Außerdem ist die Mutter von unserem Sänger Dave krank geworden. Sie war etwa ein Jahr krank bevor sie gestorben ist. Wir mussten ihm genug Raum lassen, um damit klar zu kommen. Weißt du, es gab viele Barrieren, die wir überwinden mussten und für die wir uns Zeit nehmen mussten, während wir das neue Album geschrieben haben. Wir mussten einfach Zeit finden und wie du weißt wirft einen das Leben immer wieder unangemeldet aus der Bahn.

Matt: Wir sind eine große Band und es braucht das nötige Kleingeld einfach eine Auszeit zu nehmen, um ein Album zu schreiben. Deswegen mussten wir extra hart und viel auf Tournee gehen, um eben genug Geld zu verdienen und um ein neues Album zu schreiben. Und dann vermischt sich das alles und es kommt immer wieder etwas dazwischen, wie die traurige Geschichte mit Daves Mutter. Aber das ist halt das Leben. Das Leben passiert einfach und es ist verrückt, aber sechs Jahre später danken wir Gott, dass wir es wieder geschafft haben. Wir werden im Alben produzieren auch nicht besser. Wir werden aber zumindest reifer und weiser mit der Zeit. Vielleicht wird es aber auch schlimmer. (lacht) Vielleicht kommt das nächste Album dann in zehn Jahren. Oh bitte. (lacht)

Bob: (lacht)

Anika: Hoffentlich nicht!

Matt: Nein hoffentlich nicht.

Anika: Was hat sich eigentlich verändert zwischen eurer „alten“ und „neuen“ Musik? Habt ihr euch sehr stark in eine andere Richtung entwickelt?

Matt: Es ist verrückt ich bin 46 Jahre. Das irritiert mich.

Bob: All die Bäume sind einen Meter höher geworden in den vergangenen sechs Jahren. Das ist eine völlig andere Welt da draußen. (lacht)

Anika: Euer neues Album kam am 2. Juni in die Läden und es trägt den Titel „Life is good“ (dt.: das Leben ist schön). Aber wenn wir uns die aktuellen politischen Situationen mit Trump, Erdogan, Putin, der Flüchtlingskrise und all den anderen Problemen in der Welt vor Augen führen. Warum habt ihr euer Album gerade „das Leben ist schön“ genannt?

Bob: Es ist ein bisschen keck und dreist.

Matt: Genau wie auf unserem Cover, mit dem kleinen Kind, das einen irgendwie veräppelt. Das Cover ist eine Hinwendung zum Irischen, es ist also im Dublin-Stil gehalten. Es verarscht den Zuschauer irgendwie. Richtig? (blickt zu Bob)

Bob: Ja. Aber zur gleichen Zeit …

Matt: …soll man positiv bleiben.

Bob: Ja. Denn egal, was die Welt dir entgegenwirft, wir sind alle am Leben und wir lieben uns alle und wir alle haben tolle Beziehungen mit unseren Familien und Freunden. Wir wachen morgens auf und das Gras ist grün und der Himmel ist blau. Und egal, was in der Welt passiert, du wachst jeden Tag auf und atmest. Das heißt „Life is good“.

Matt: Ich stimme da vollkommen zu und ich stimme auch dem zu, was du vorhin gesagt hast. Im Moment gibt es einen Haufen Schei*e da draußen und da sind ein Haufen Idioten, die gerade für die Welt verantwortlich sind. Was es sogar noch wichtiger macht, dass Menschen zusammenhalten und sich grundsätzlich auf die Zunge beißen (Anmerk. d. Redak: soll heißen = Augen zu und durch) und versuchen diese harte Zeit in der Geschichte zu überstehen, also meiner Meinung nach. Es gibt …

Bob: Das sind alles ein Haufen Pickel, die gerade auf unserer Kopfhaut aufploppen…

Matt: …gerade in jedem Land eine Art Nationalismus-Bewegung, die sich anfühlt, als hätten wir die ganzen Jahre gar nichts gelernt. Speziell, wenn man in Deutschland ist. Hier musste man einige Lektionen lernen, ausgelöst durch eine Menge Bullshit, der sich hoffentlich nicht in meiner Heimat und in der von anderen Leuten wiederholt.

Bob: Ich denke, dass es hoffentlich nur eine Art Beule ist, die aus dem Kopf an die Oberfläche schießt und platzt und man den Sud dann einfach wegwischen kann. Und dann ist sie weg. (Anmerk. d. Redak.: Dann ist die Krise überstanden)

Anika: Was ist die Hauptbedeutung der Lieder auf dem Album? Ist es einfach das, was ihr schon gesagt habt, dass man positiv bleiben soll?

Bob: Einige Songs handeln davon, wie man mit Verlust und Liebe, ja und mit dem Weltchaos umgeht. Es ist von allem irgendwie was dabei.

Anika: Wir haben bereits ein bisschen über das Albumcover gesprochen. Also für alle, die es nicht kennen: darauf ist ein kleiner Junge zu sehen, der seinen Mittelfinger in die Luft streckt. Im Allgemeinen, was war eure Interpretation/ euer Gedanke als ihr das Cover gemacht/ das Bild ausgesucht habt?

Matt: Bob, möchtest du diese Frage beantworten. (grinst)

Bob: (lacht) Oh dazu gab es keine tiefgründige Bedeutung.  Ich denke, es war einfach das Bild, was allen gefallen hat und es war irgendwie lustig.

Matt: Und es widerspricht dem Titel „Life is good“. Bild und Titel sind wie Gegensätze. Das Bild hinterlässt in einem ein Fragezeichen. Ich denke, wenn auf dem Cover ein verdammt heißes Mädchen auf einem Ferrari gesessen hätte mit der Aufschrift „Life is good“, dann wäre es ein Reinfall geworden. Und alle hätte es gesehen und gedacht „Shit“. Für mich vermittelt das Cover ein Gefühl von „Wollen mich diese kleinen Mistkerle verarschen oder was?“, und ich mag den Gedanken.

Anika: Ja. Für mich war es eher sowas wie – ich bin zwar ein kleiner Junge, aber ihr könnt mir meine Zukunft nicht wegnehmen. Ich werde wachsen und mein Leben lieben und mein Leben leben und egal, was ihr auch tut…

Matt: Ich mag deine Interpretation mehr. Ich glaube ich schließe mich ihr an.

Anika: Oh, okay…

Matt: Du bist gemietet/engagiert. (beide lachen)

Anika: Welcher von den zwölf Albumsongs ist momentan euer Liebling und warum?

Bob: Mein Lieblingslied ist „Last Serenade (Sailors and Fishermen)“, weil es sehr schwermütig, stimmungslastig ist und ich mag Musik, die die ein bisschen launisch ist. Und das ist ein sehr schwermütiges Stück Musik.

Matt: Momentan würde ich „Crushed (Hostile Nations)“ sagen. Wir haben die neuen Songs fast alle noch nicht live gespielt, um ehrlich zu sein. Ich glaube wir haben bisher nur drei neue gespielt. Aber jedes Mal, wenn wir „Crushed (Hostile Nations)“ spielen, dann stellt der Song eine tolle Verbindung zum Publikum her. Und das fühlt sich gut an.

Anika: Und wie viele neue Lieder spielt ihr heute Abend? Wisst ihr das schon?

Matt: Ich hab die Setlist noch nicht gesehen. Vielleicht „Crushed (Hostile Nations)“, aber ich weiß es nicht.

Bob: Ja. „Crushed (Hostile Nations)“.

Matt: Aber auf jeden Fall „John L.“. (Anmerk. d. Redak.: „The Hand of John L. Sullivan“)

Bob: Ja ich denke wir werden auf jeden Fall „John L. Sullivan“ und „Crushed“ spielen.

Anika: Juhu. Ich mag „The Hand of John L. Sullivan“.

Matt: Ja den spielen wir auf jeden Fall.

Anika: Heute Abend spielt ihr im Vorprogramm der deutschen Band die Broilers. Kennt ihr sie oder andere deutsche Musik?

Matt: Ja wir kennen sie. Wir sind schon einmal zusammen getourt.

Bob: Ja wir waren auf Tour mit ihnen. Das erste Mal, als wir nach Deutschland kamen, haben wir eine Clubshow gespielt und die Broilers waren unser Vorprogramm. Das war vor zwölf Jahren oder so. Denn sie waren gerade in ihren Anfängen und haben versucht Leute zu ziehen und wir haben aber auch versucht Fans zu gewinnen. So haben wir die Show zusammen gemacht, deshalb hat uns der Promoter heute als Vorband gebucht. Und wir sind schon immer Fans von den Broilers gewesen.

Anika: Wow. Das ist ja wirklich cool. Das habe ich gar nicht gewusst. Sehr interessant.

Bob: Aber es ist ja auch schon sehr lange her. (lacht)

Anika: Wart ihr vorher schon mal hier in Dresden?

Beide: Ja, waren wir.

Matt: Wir waren noch nie genau hier in dieser Location, aber wir haben schon öfters in Clubs hier gespielt. Ich weiß, dass ich schon mal da vorn langgelaufen bin. (grinst stolz und zeigt zur Elbbrücke)

Anika: Ihr spielt heute in dieser wunderschönen Location. Wie gefällt euch die Atmosphäre hier und habt ihr schon mal wo gespielt, wo es ähnlich war, auch so mit einem Fluss?

Matt: Nicht exakt so ein Event. Aber wir haben definitiv schon viele Shows an Flüssen gespielt. Und Shows am Meer. Vor zwei Tagen waren wir in Italien und wir haben in einer sehr schönen Venue gespielt, genau über dem Wasser. Es war unglaublich.

Bob: In einer Inlandsbucht und wir haben auch Shows in Budapest und Szeged gespielt, wo es eine kleine Insel in der Mitte des Flusses gab. Aber Dresden ist hingegen ein kultureller Magnet in Europa seit hunderten und aber hunderten von Jahren. Irgendwie hat es etwas Besonderes im Mittelpunkt von Sachsen zu spielen. Die Stadt brachte über die Jahre sehr viel Kultur in die Welt.

Anika: Das stimmt. Hier kommt meine letzte Frage: Was sind eure nächsten Pläne? Ich habe gelesen, ihr geht mit Volbeat auf Tour?

Bob: Ich glaube wir spielen sechs oder acht Shows mit Volbeat im August. Dann kommen wir das nächste Mal nach Europa. Wir machen ein paar Clubshows hier und da.

Anika: Und dann geht es zurück?

Bob: Und dann geht es zurück in die Staaten. Und dann starten wir eine weitere Tour in den USA.

Anika: Gibt es noch etwas, was ihr gern zu den Leuten da draußen sagen wölltet?

Bob: Danke, dass ihr all die Jahre an unserer Seite geblieben seid. Es hat Spaß gemacht. (lacht)

Anika: Dann danke für eure Zeit. 

Interview: Anika Weber
Fotos: Arne Glaser, Dark Tunes 

 

 

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