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Summary

Captain Planet - Treibeis

Mit der Kraft der Elemente.

Band: Captain Planet
Album: Treibeis
Mitglieder: Jan Arne von Twistern, Sebastian „Badda“ Habe nicht, Benjamin „Benni“ Sturm, Marco Heckler 
Herkunft:  Hamburg
Klingt wie: Mikrokosmos 23, Tagtraum

 

 

 

Wer in den sagenumwobenen 90er Jahren aufgewachsen und nicht nur in den Genuss der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gekommen ist, wird kaum an der Zeichentrickserie Captain Planet vorbeigekommen sein. Quasi als heimlicher Vorreiter sämtlicher Öko- und Naturschutzbewegungen, galt es bei der 1990-1996 produzierten Serie die durch Umweltverschmutzung aufgeweckte Gaia, die Mutter der Erde, zu besänftigen. Das gelang nur durch die Kraft der vier Elemente, verteilt auf vier Jugendliche unterschiedlicher Nationen. Ergänzt wurde dieser Bund der Natur durch den elementarsten menschlichen Wert: die Liebe. Wenn sich alle fünf zusammen getan haben, wurde Captain Planet gerufen, der sowohl Mülltrennung, als auch den Umgang mit CO2 aus dem FF beherrschte.

Mit dem Rückenwind dieser gezeichneten Manifestation vom ethisch-moralisch korrekten Umgang mit der Natur und seinen Mitmenschen, die einer gesamten Fernseh-Generation dank Captain Planet in die Wiege gelegt wurde, gründete sich 2003 die gleichnamige Emopunk-Band aus Hamburg. Auf mehrere EPs folgte 2007 das Debut-Album Wasser kommt Wasser geht, zwei Jahre später folgte Inselwissen. Bereits das Debut schlug in Deutschpunk-Kreisen hohe Wellen und wurde von den Kritikern als Alternative zu Turbostaat bezeichnet. In diesen Wochen erschien die dritte Platte Treibeis und so langsam stellt sich die Frage, wer hier eigentlich die Alternative zu wem ist?

Was Captain Planet auf ihren ersten beiden Alben boten, setzen sie auf Treibeis konsequent fort. Wuchtige, angriffslustige Gitarrenriffs und Drums mit der Frequenz eines Vorschlaghammers bilden die Grundlage für die ins Mikro gerotzten Texte von von Twistern. Die stehen irgendwo zwischen dem Bildungsniveau der Hamburger Schule und dem Bilderreichtum von Tagtraum. „Pyro“ eröffnet den halbstündigen Longplayer mit einem verschwommenen Lyrik-Mosaik, das sich über die gesamte Platte erstreckt und von jedem Hörer individuell zusammengesetzt werden muss.

Gehst wieder an die Grenzen. Hier fühlst du dich wohl. Steigst zurück unter die Decke. Hüllst dich wieder ein. Kratzt alle Schichten runter. Alles muss raus – heute noch.

Den Worten folgt die Tat. Alles muss raus – heute noch. Deshalb fühlt sich Treibeis so intensiv an. Captain Planet haben alles hineingepackt was ging. Es klingt, als würde die Platte einen permanent ohrfeigen während sie gleichzeitig Händchen hält. Immer wieder bohren sich die Zeilen ins Nervenzentrum, weil man sich irgendwie selbst wiedererkennt. Universalität dank individueller Interpretierbarkeit. Wenn’s scheiße läuft, wird beispielsweise in Spielplatz gefragt: Wie gehst du nur mit den Niederlage um? Wo üben die, die immer siegen? Und so werden Captain Planet zum Sprachrohr einer Nation die aufgrund des Überangebots von Möglichkeiten keine Ahnung mehr hat, wohin sie will.

Diese Stille wird gehört und brüllt durch die Häuser und Straßen in denen wir uns die Nacht zerstören. Land unter, wir oben auf. Was uns hier hält? Wer weiß das schon genau. Ist es die Angst sind es Zweifel, was hält dich hier fest?

Die intensive, kompromisslose Instrumentierung sorgt dafür, dass sich niemand aus der Affäre ziehen kann. Das hier geht alle an. Wir sind Gefangene auf einer Scholle Treibeis, die mit der Strömung treibt und die sich nicht steuern lässt. Umso schlimmer, dass man jeden Tag aufs Neue zu vergessen scheint, was die  Zeilen von Aus Alt Mach Neu bedeuten:

Und wenn es immer so schön ist, wie gerade. Immer das Meer und immer die Zeit. Wieder fällt die ein Stein aus deiner Tasche, rinnt dir der Sand aus den Ärmeln. Du gibst diese Momente so leicht her, als wären es nicht die letzten.

30 Minuten Herzdruckmassage. Hier werden für den guten Zweck der Wiederbelebung Rippen gebrochen. Der Schmerz dieser Platte rüttelt einen Wach, die Liebe packt schützend ein. Wenn man hier Kritik ansetzen kann, dann nur, dass die Stilgrenzen eng gesteckt sind. Aber Captain Planet klingen nun mal so und das ein ganzen Album, eine ganze Diskographie lang. Wer auf intelligente, ehrliche, deutsche Texte steht und Memorandum von Mikrokosmos23 liebt, der wird an Captain Planet und Treibeis nicht vorbekommen oder wahrscheinlich bisher sowieso nicht dran vorbeigekommen sein. Intensiv, authentisch und das Wichtigste: auch für das Umweltbewusstsein mehr als vertretbar.

Anspieltipps:

  • Pyro
  • Aus Alt Mach Neu
  • Spielplatz
  • Land Unter
  • Nationalpark
  • Gehwegflattern

www.captain-pla.net

Lieblingseis = Treibeis: Jakob Sauerwein

Und hier der dazugehörige Beitrag.

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