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Elektro Willi und Sohn – Diamanten

Wenn Literatur nur immer so unterhaltsam wäre...

Band: Elektro Willi und Sohn
Album: Diamanten
Mitglieder: Ernst Wawra (Elektronik), Daniel Ketteler (Texte)
Herkunft: Aachen/Zürich
Musikrichtung: Elektro

"Lange Zeit warst du nur ein Brocken Eis, jetzt bist du da, Deborah"

Kunst – das gefällt nicht jedem. Und so können Menschen mit Phobie vor kreativem Output, der vielleicht sogar zum Nachdenken anregen soll, an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Elektro Willi und  Sohn machen Kunst? Ich gebe zu, das mag zunächst nicht so erscheinen. Oberflächlich kann man das ganze als lustigen Techno mit bescheuerten Texten abtun. Eine genauere Recherche tut not. Hinter die Fassade des Projekts blicken, so lautet der Anspruch.

Überraschend viele Kollegen der Musikjournalie tun das übrigens nicht. Sie zitieren einfach den zur CD gelieferten Waschzettel: nach diesem leitet Elektro Willi und sein Sohn einen wenig florierenden Waschmaschineneinzelhandel. Zur Rettung ihres Geschäfts stoßen sie auf die Musik und verdienen damit ein paar Kröten. Ein witziges Alter Ego. Besonders genial, weil es den „echten“ Elektro Willi mitsamt Sohn und Waschmaschinen tatsächlich gibt: in der Jülichstraße 44, 52070 Aachen.

Keine Ahnung, ob sich Ernst Wawra mit Waschmaschinen auskennt. Seine elektrischen Soundgeräte beherrscht er auf jeden Fall. Da wird geschraubt und gedreht bis es endlich hämmert und quietscht. Wawra machte schon mit Aeric und Alphawezen auf sich aufmerksam, unter anderem auf Labels wie MOLE Listening Pearls und Ladomat2000, als es sie noch gab. Und er betreut nebenbei auch noch sein eigenes Label Modul8 ebenfalls aus Aachen. Ebenjenes veröffentlichte vor knapp zwei Jahren eine Compilation in Zusammenarbeit mit der Literaturzeitschrift [sic]; Titel: „Heilung durch Mu[sic]“ (Dazu gab’s bei UNiCC auch schon ein Musikredaktion Spezial). Ziel dieser Kooperation war ein Zusammenführen zweier Kunstformen: elektronische Musik und Literatur.

Hier kommt nun der Bogen zu Daniel Ketteler. Der ist nämlich Mitherausgeber zuvor genannter Literaturzeitschrift und brachte zudem bereits einen Gedichtband mit dem Titel „Das Knacken in der Rille“ heraus. Spätestens nun dürfte es schrill klingeln, denn genau unter diesem Namen erschien die erste Veröffentlichung von Elektro Willi und Sohn, die auch auf dem Modul8/[sic]-Sampler zu finden ist. Daniel Ketteler zeigt sich verantwortlich für die Texte, die durchaus abgefahren und teilweise ulkig, für andere eventuell blöd rüberkommen. Vom künstlerischen Aspekt fällt diese Literaturart in die Assoziationskette des Dadaismus.

Zu genau, zu umfangreich, sagt ihr? Notwendig um das Projekt Elektro Willi und Sohn zu verstehen, sage ich! Denn...

 
Fazit:

...ohne dieses Hintergrundwissen gäbe es nicht viel mehr zu schreiben als: geile Platte voller Techno mit bekloppten Texten. ;)

„Das Licht geht an, jetzt ist es aus / die Welt war schwarz, ein blinder Fleck / ich, der Klaus, Aschenbecher, Tischgedeck / ich, der Maulwurf, um mich Dreck / Du, die Made, ich der Speck/ das Licht ist an, gleich ist es aus / ich sag’s Dir jetzt … dann bin ich raus“

Anspieltipps:

  • Das Knacken in der Rille
  • Das Geheimnis
  • Quel Bordel
  • Das Licht

 

Band: www.elektrowilli.com

www.myspace.com/elektrowilli

Label: www.modul8.de

Literaturmagazin: www.siconline.de

Interview mit der Band: www.nillson.de/nillson/nillson.cgi?mode=show&article=6404

 
Fühlt sich als Gastschreiber geehrt: Sebastian Schlegel

 

Das Knacken in der Rille: der Beitrag.

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