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Summary

Little Dragon - Nabuma Rubberband

All of the sadness of the city came suddenly

Künstler: Little Dragon
Album: Nabuma Rubberband
Mitglieder: Yukimi Nagamo (Gesang), Håkan Wirenstrand (Synthesizer), Erik Bodin (Drums), Fredrik Källgren Wallin (Bass) 
Herkunft: Göteborg, Schweden
Klingt wie: eine hippe Variante von Rhythmus und Blues: Beats und Melancholie.

Die Stadt im Regen: Ein trüber Schleier hüllt die Beton-Fassaden in Traurigkeit, die Minen der Menschen: so grau wie der Himmel, Trostlosigkeit tropft auf die Straße. Kapitulation unter der Kapuze, Rückzug hinterm Regenschirm: Man könnte jetzt durch die menschenleeren Straßen laufen und Cohen zuhören, oder Ian Curtis, und vollkommen durchnässt und mit erhöhtem Suizid-Risiko heimkehren und von heißen Sommerabenden träumen.

Man könnte auch aber andere Realitätsfluchtmaßnahmen ergreifen: Sofa, Schnaps, der Sound von Little Dragon. Die Band aus Göteborg hat schließlich Erfahrung mit schlechtem Wetter und langen, finsteren Wintern. Little Dragon gründeten sich 2006; ein Keyboarder, ein Drummer, ein Bassist, alte Schulfreunde. Aber der kleine Drachen, der hier feurige Töne spuckt, heißt Yukimi Nagano: Die japanische Schwedin kann angeblich auch schon mal die Krallen ausfahren und zu einer gefürchteten Furie werden, weshalb sie von sämtlichen emanzipatorischen Mädchen-Magazinen bereits zur Ikone erkoren wurde. Little Dragon lieben den in Schweden so populären Synthesizer, und dennoch klingen sie anders als alle existierenden Schwedenpop-Märchen vom Elektropionier aus dem Düsterwald/Provinz-Rebell in Röhrenhose/ klebrigem Kaugummi-Popper/einsamen Folkbarden auf Anti-Depressiva. Ihr Sound ist urban und zeitlos; synthetischer Soul aus der digitalen Welt, R'n'B-infiltrierter Elektropop. Treibend, dynamisch. Auf ihren ersten beiden Alben [Machine Dreams; 2009 / Ritual Union; 2011] blubberten und klackerten die Beats recht unbeschwert unter eingängigen Up-Tempo-Nummern und galaktischen Klangwelten.

Auf ihrem dritten Studioalbum Nabuma Rubberband legen sie ihre musikalischen Wurzeln komplett frei: Die Platte sei vor allem von „Janet Jacksons slow jams“ inspiriert, offenbarte Nagamo. Für den hart gesonnenen Indie-Nazi mag das zunächst abschreckend klingen: Nach seelenlosem Mainstream-Pop, der mit zu viel Weichspüler ganz bleich und bedeutungslos gewaschen wurde. Aber weil R'n'B gemäß der Prognosen eines ehemaligen Musikredakteurs ohnehin wieder eine Future fernab des Radio-Mainstreams hat und weil Nabuma Rubberbands schlichtweg eine fantastische (Elektro-)Pop-Platte ist, werden wir über diese nostalgische Neunzigerjahre-Referenz gnädig hinweg sehen.

Nabuma Rubberbands also. Eine Platte wie ein Stadtspaziergang im Regen. Der karge Opener Mirror weiß noch nicht so recht, ob er überhaupt einen Fuß vor die Tür setzen will. See how you’re makin’ me blue?“ haucht Yukimi Nagamo, und ja, diese synthetischen Songs sind melancholisch, wehmütig, voller Sehnsucht nach Alltagsflucht. Die eigentliche Reise beginnt mit der ersten Single Klapp Klapp. Schnell wird klar in welche Richtung es geht: Die Produktion ist fett, der Sound dicht und atmosphärisch. Ein Song wie Pretty Girl ist wunderbar detailverliebt in seiner minimalistischen Zurückhaltung, Underbart getrieben von einer herzzerreißenden Sehnsucht, Paris malt ein Großstadtporträt in dunklen Achzigerjahre-Klangfarben.

Die Bässe seufzen schwer. Die Beats trommeln wie Regentropfen ans Fenster. Ein trauriges Trommeln, manchmal wie feiner Nieselregen, manchmal ein heftig pulsierender Niederschlag. Nabuma Rubberband offenbart kaum eingängige Hits – dafür aber eine geradezu bestechende urbane Melancholie, die vor allem von Yukimi Nagamos Stimme getragen wird. Fragil und rabiat zugleich schwebt sie über die Klangkonstrukte und transportiert jene spezielle Wehmut, die diese Platte so wertvoll macht und die sich auch in den Songtexten wiederfindet. Blasen platzen und Herzen brechen und Menschen tanzen verloren gegen Routine und gegen die Dogmen unserer schnelllebigen Zeit:
She sat across the bar for weeks/Getting sober/The world is numb/And cruel for some/The bubbles swing/And she brakes/The only one in her heart

Mit kühler Perfektion errichten Little Dragon eine Wolkenkratzer-Landschaft: klare Klangwelten, wie geputzte Glasfassaden. Irgendwo dahinter hat sich das Leben verkrochen und wirft einen distanzierten Blick auf's städtische Beton-Grau, will dessen festgefahrenen Mechanismen entfliehen:

The last bird/Smashed into a skyscraper/Under the Hong Kong lights/It fell pale/Like a sink/Landed on the night drain/Fell a strong right/While underground/The tunnel reveal/Voiceless land/The harder to feel/For being born at the wrong place/At the wrong time/ With a wrong fate heißt es im Titelsong.

Nabuma Rubberbands ist ein clever und perfekt produziertes Album für Niederschlag und Niedergeschlagenheit, das auch in klaren Sommernächten hervorragend funktionieren wird: Musik, so verheißungsvoll wie das Flirren und Flimmern der Großstadtlichter bei Nacht.

Anspieltipps:

  • Klapp Klapp
  • Underbart
  • Underbart
  • Pretty Girls
  • Killing Me
  • Paris

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