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Summary

Mikrokosmos23 - Memorandum

Über längst vergessene Werte

Band: Mikrokosmos23
Album: Memorandum
Mitglieder: Peter Löwe, Mathias Starke, Toni Petraschk, Tom Pätschke
Herkunft:  Chemnitz, Dresden, Halle
Klingt wie: a heart-shaped fist

Endlich, endlich, endlich wird’s mal ausgesprochen! Die großen Probleme liegen nicht, wie man anhand des internationalen Hype-Band-Katalogs vermuten könnte, im Tausende von Kilometern entfernten Kanada, auch nicht im etwas näher gelegenen Island und genauso wenig im UK. Zumindest für uns. Hier. Jetzt. Mikrokosmos23 halten nicht hinterm Berg und vertonen ihre Geschichte, die sich unter anderem in Halle, Dresden und Chemnitz (!) abspielt. Die 4 Mannen um Peter Löwe verneinen die Flucht in fremde Realitäten – sie haben ihre eigene: Memorandum.

Nach der Veröffentlichungen einiger EP´s und dem Debut Als wir jung waren ist jetzt, erscheint nun auf dem Kölner Label Unterm Durchschnitt die zweite Platte in voller Länge. Und was die Jungs da rausblasen ist der Frust einer Generation, der kollektive Kloß im Hals, an dem man zu ersticken droht.

„Das sind die Worte, die uns fehlen; das ist der Atem der dir wegbleibt“

Irgendwo zwischen Hardcore und Deutschpunk (dem guten!) bilden Mikrokosmos23 ihren eigenen, der die Sonnensysteme von Muff Potter und Tagtraum als Nachbarn erkennen lässt. Tiefsinnige Texte höchsten Niveaus rahmen ein Bild, dass sich authentisch aus den persönlichen Kämpfen eines jeden, der versucht irgendwie irgendwo halbwegs erwachsen zu werden, zusammensetzt: Verlust, Zukunftsängste, Selbstfindung zwischen Sinn und sinnlos. Eben die eigenen Leichen im Keller der Knightrider Generation.

"Traurige Lippen, Traurige Stadt. Armes, krankes Herz. Vermissen ist das falsche Wort. Leer. Viel schlimmer zu begreifen. Bis bald. Hoffentlich.“

 Die Zukunft ist betrunken und weiß nicht recht wohin.“ 

Mikrokosmos23 verbinden Intellekt mit Herz und formen daraus eine sagenhafte, ungestüme Energie. Hier fließt noch Blut durch die Adern. Der Sound des Vierers strotzt dabei nur so vor melodiösen Gitarrenwänden und wütendem Schlagzeugblech. Weg vom Weichspüler und wieder hin zum Pegel. Löwes Stimme ist mit Sicherheit nicht die tonsichterste, dafür aber die ehrlichste dieser Tage – sie bildet das Sprachrohr einer Generation irgendwo zwischen alles gegeben und noch nichts erreicht. Mund und Herz bilden auf Memorandum eine Einheit. Selten war ein Debut-Album so homogen, so unverfälscht, so verkopft und verherzt gleichzeitig.

„Hallo Erdbeben. Hallo Drecks-Neuanfang![…] Du wirst mich stolpern sehn heut Nacht!“

Fazit: Memorandum ist die perfekt dosierte Überdosis aus Wut, Energie, Leidenschaft und jugendlicher Unbeholfenheit. Was die Jungs von Mikrokosmos23 hier abliefern ist mehr als nur eine mit 11 Tracks gefüllte runde Scheibe. Die Erde ist schließlich auch eine Kugel. Jeder Song bildet dabei einen Kontinent, treibend auf den Ozeanen, die sich an nichts anderem, als den heißesten Tränen der persönlichsten Krisen nähren. Diese ganz privaten und jedem Einzelnen doch so vertrauten Szenarien verleihen dem Sound von Mikrokosmos23 das entscheidende Etwas, das man so oft vermisst: ungeschönte Ehrlichkeit.

„Wo sind die Liebeslieder hin? Und was haben sie mir gleich gesagt?“

Anspieltipps: 

  • Tau von Morgen
  • Und da bist du
  • Traurige Lippen/ Traurige Stadt
  • Irland

http://www.mikrokosmos23.de

http://www.unterm-durchschnitt.de

hasst erfurt trotzdem nicht: Jakob Sauerwein

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