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Summary

Okkervil River-The Stand Ins

1.Szene, II. Akt: melodramatischer Folk-Pop.

Band: Okkervil River
Album: The Stand-Ins
Mitglieder: Will Sheff (Gesang, Gitarre, Mundharmonika…), Seth Warren (“Electronics”, Gesang), Scott Brackett (Trompete, Keyboard), Brian Cassidy (Gitarre, Mandoline, Gesang), Patrick Pestorius (Bass), Travis Nelsen (Schlagzeug)
(und Jonathan Meiburg, Gesang, Keyboard, Akkordeon)
Herkunft: Austin, Texas, USA
Musikrichtung: Indie-Folk-Pop mit Rockeinflüssen. Manche öffnen hier auch eine Schublade namens „Alternative Country“…

Eigentlich ist ein Double nichts weiter als ein ersetzbarer Ersatz und fristet sein tristes Aushilfskraft-Dasein tief im Schatten des umjubelten Schauspielstars, der sich auch noch einen fantasievollen Künstlernamen zugelegt hat.  Demnach trägt das sechste Studioalbum von Okkervil River mit „The Stand-Ins“ (zu Deutsch, man ahnt es: (Licht-)Doubles) einen doch eher undankbaren Namen.
Zumindest verglichen mit dem viel gefeierten Vorgänger-Meisterwerk  „The Stage Names“ (heißt auf Deutsch: Künstlernamen).

Die Titel verraten es bereits: beide Alben gehören zusammen. Die Songs auf „The Stand-Ins“ sind zur selben Zeit und im gleichen Rahmen entstanden wie die des Vorgängeralbums.
Die fünfköpfige Band um Will Sheff, bekannt für ihre schwermütigen Indie-Folk-Songs, entschied sich jedoch gegen ein klassisches Doppelalbum, sondern liefert die zweite Hälfte lieber genau ein Jahr nach Veröffentlichung der Ersten. Schnell drängt sich da der furchtbare Verdacht auf, bei dem Song-Material auf „The Stand Ins“ handle es sich um musikalische Ausschussware, Restposten, bestenfalls bessere B-Seiten. Unbedeutende Doubles eben, die im Schatten der eigentlichen Künstler kauern. Wer nun also diese düstere Vorahnung hegt, dem sei gesagt: keineswegs!

Okkervil River inszenieren den II. Akt ihres Folk-Pops in acht Szenen. Ihren ursprünglichen Trübsinn haben sie bereits auf „The Stage Names“ vorsichtig vom Bühnenrand geschubst und durch Lebensfreude ersetzt, die Melancholie aber blieb als Souffleuse. Ihre Stücke handeln nicht mehr im Herbst, sondern im Sommer. Nun ja, sagen wir mal: im Spätsommer.

Bereits im kurzen Prolog kündigen die Streicher Großes an. Und das folgt prompt.„Lost Coastlines“,zeigt mit seiner mitreißenden Melodieführung, launigen Lalalas und fröhlichem Händeklatschen deutlich, welches Stück Okkervil River hier aufführen: Pop.
Will Sheff, Regisseur und Dramatiker der Band, führt in diesem Song übrigens einen musikalischen Dialog mit Ex-Mitglied Jonathan Meiburg.
Auch die folgenden Lieder sind ähnlich mitreißend, lebensfroh und opulent in Szene gesetzt.Spätsommerliche Folkpop-Songs voller Poesie, schwungvoll und euphorisch. Aus dem Orchestergraben tönen mal dezente, mal pathetische Streicher, beschwingte Bläsersätze, Piano, Banjo und Westerngitarren. Das Singing und Songwriting von Singer und Songwriter Will Sheff  ist gewohnt hervorragend und stets schön eigensinnig.

Erst bei „Blue Tulips“ stößt man wieder auf  bandtypischen Schwermut. Der Song schleppt sich zunächst etwas mühsam dahin, steigert sich jedoch eindrucksvoll von Strophe zu Strophe und gipfelt schließlich in einem großorchestralen Finale.
Etwas später tischt uns das Quintett ganz dreist eine fette Pop-Lüge auf. Pseudo-poppige Synthies, E-Gitarren und klatschende Hände agieren im Hintergrund und Will Sheff warnt: „Words and music you calculated/To make you sing along/With your stereo on […] He's the liar who lied in his pop song/And you're lying when you sing along/And you're lying when you sing along”

Letzte Szene, “Bruce Wayne Campbell Interviewed On The Roof Of The Chelsea Hotel, 1979”. So eindrucksvoll wie der Songtitel, so beeindruckend und prächtig auch der musikalische Abgang. Mit Pauken und Trompeten und Streichern und Piano und Chören und rhythmischem Geklatsche und allem, was das musikliebende Herz begehrt, verabschieden sich die Akteure von der Bühne und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Applaus!

Epilog:
Mit „The Stand-Ins“ knüpfen Okkervil River musikalisch nahtlos an den Vorgänger an und liefern ein Album voller warmherziger, kluger und üppig instrumentierter Folk-Pop-Songs, die denen auf „The Stage Names“ keineswegs nachstehen, sondern deren hohes Niveau halten.
Unser kleines Lichtdouble hat es also geschafft, aus dem unseligen Schatten des Schauspielers herauszutreten und eine eigene Karriere zu starten, die der des Stars ebenbürtig ist. Mindestens!

Anspieltipps:

  • Lost Coastlines
  • Singer Songwriter
  • Pop Lie
  • Bruce Wayne Campbell Interviewed On The Roof Of The Chelsea Hotel, 1979
  • ...

Präsentation auf der Weltbühne des Internets:

www.myspace.com/okkervilriver

www.okkervilriver.com


is not lying when she sings along: Johanna Eisner

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