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Summary

Phantogram - Voices

Optische Illusionen fürs Ohr

Künstler: Phantogram
Album: Voices
Mitglieder: Josh Carter, Sarah Barthel
Herkunft: New York, USA
Klingt wie: Gelungene Elektro-Post-Rock Mischung 

 

Seit ein paar Jahren verhilft dieses „Internet“ von dem alle reden, kleinen unbekannten Künstlern zu einem spontanen Bekanntheitsgrad, der sich, nach einer kurzen orgasmischen Explosion, in die dreckigen Tennissocken dieser Welt entlädt. Eines Tages kommt Mutti ins Zimmer und reagiert mit Nase rümpfen auf den gewissenhaft kultivierten Geruch. Diese Einladung wird dankbar angenommen. Das Chaos wird beseitigt und dient gleichermaßen als Anlass herauszufinden ob der Kleine Drogen versteckt hat. Aber genug von meinem verrückten Wochenende.

An der Speerspitze dieses Eintagsfliegenkommandos steht wohl das Genre des Elektropops. Mit moderner Software ist schnell ein Boom-Boom-Chak Wölkchen gepupst und auf Soundcloud veröffentlicht. Der Großteil des gemeinen Elektro-Pops wird wohl in Form von Fahrstuhl-Musik auf dem Klangfriedhof von morgen landen und ich werde keine Träne dabei vergießen.

Ich war also zugegebener Maßen mindestens skeptisch als ich mich oberflächlich mit der Aufmachung von Phantogram beschäftige. Zu meiner Überraschung stellte sich raus, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ich werde gern aufrichtig in den Arm genommen und mag meine Cornflakes mit kalter Milch. Und ich habe Vorurteile.

Vorurteile die das Duo aus New York schnell über den Haufen warf. Ihr neues Album „Voices“ ist das erste Werk, das unter Universal auf einem Major Label erschien. Nicht ohne Konsequenz. Vergleicht man es mit früheren Releases ist der Sound technisch sehr erwachsen und klar und trotzdem von aufregender Rohheit. Letztgenannter Aspekt ist augenscheinlich auch der Grund weswegen sie sich  virtuos vom weichgespülten Restmüll unterscheiden. Sie rocken!

 Auf der einen Seite finden sich wirbelnde Gitarrenmelodien, die den Songs einen nostalgischen Post-Rock-Flair verleihen. Diesen gegenüber stehen elektronische Klänge die surren wie eine sexy-schöne Kettensäge und sich abwechseln mit verträumten Elektrobeats.  Ausgefüllt wird der Rahmen von nebulöser Klavierstimmung und dünnen ungekünstelten Vocals, für die Sarah Barthel auf dieser Platte hauptverantwortlich ist.

Der Titel des Albums "Voices"  spiegelt dessen thematische Bandbreite wider. Elf verschiedene Stimmen auf elf verschiedenen Songs die sich formal und inhaltlich deutlich unterscheiden. Eine melancholische Grundstimmung die verschieden vordergründig ist, bildet dabei den roten Faden und hält alle Lieder gefühlt eng beieinander.

Nah am emotionalen Zentrum des Albums bewegt sich Black out Days. Der Text der Strophen zeichnet ein für das Album representativ düsteres Bild.

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 Hide the sun
I will leave your face out of my mind
You should save your eyes
A thousand voices howling in my head

Die minimaistischen Strophen verwandeln sich - wie für das Album typisch -  in orchestrale Refrains die mit einem "Ey ey ey ah" verschmelzen. Mein Großer Zeh wird dabei im Schallloch meines Subwoofers massiert.

Logische Fortsetzung Track Numero Viero ist der unumstrittene Hit der Platte der auf den Namen Fall in Love hört. Nach einem kurzen von Geigen begleitetem Intro setzt ein knatteternder Elektro-Beat so brutal und unerwartet ein, dass mir beim ersten Mal hören ein "Boar krass ey..." über die Lippen rutschte. Das hymnische Acapella drückt die Stimme von Sängerin Sarah Barthel quasi aus den Lautsprechern. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinhören soll.

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Die Schonungslosigkeit mit der das Lied nach wenigen Sekunden beginnt, findet sich auch thematisch wieder. Aus einer vermeintlich untypischen Perspektive erzählt der Text die Geschichte vom tragischen Verfall einer Person, die sein Herz an das lyrische Ich abgegeben hat.

Fall in me
I'll let you bleed
'Cause you were fallin', I'm sorry, ah baby
'Cause you were fallin', I'm sorry, ah

Love, it cut a hole into your eyes
You couldn't see you were the car I crashed
Now you're burning alive

Die Bridge bietet Patz für selbstkritische Reflektion die einen kryptischen Einblick ins Innenleben des lyrischen Ichs gewährt.

Babe, the night has swallowed my soul
Could it be that I fell apart, it shows
The lines on my face ate away my smile
Could it be that I fell apart

Wenn die Seele des Angebetenen von der Nacht verschlungen wurde, wird es bekannter Maßen kompliziert

In Celebrating Nothing, dem vorletzten Song, gipfelt der dämmrige Grundton in einem alles in Frage stellenden Nihilismus.

Tell myself I'm fine in celebrating nothing
And all the time I waste on celebrating nothing

How many times can I blow it all
How many times will I burn it down

Give me a reason to stay alive
I've got the feeling we're gonna die
"

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Die monotone Gitarrenmelodie, gespielt von Josh Carter, ist dabei das depressive Sahnehäubchen und kann einen Freitag Abend mit den besten Freunden in einen einsamen Montag Morgen verwandeln. Deshalb der gutgemeinte Hinweis: hört das Album bitte zu Ende.

Wer sich im Schatten des alles euphorisierenden WM-Fiebers eine Überdosis Trauer injizieren will um sich vom Schland-Choral abzugrenzen, dem sei dieses Album wärmstens an Herz gelegt. Davon abgesehen ist Phantogram mit Voices ein hörenswerter Paukenschlag gelungen der mindestens so überwältigend facettenreich ist wie das Niveau der deutschen Fußballnationalmanschaft.

Josh Carter und Sarah Barthel sind zusammen so wunderbar schizophren, dass sie aus ihren intimsten und verworrensten (Selbst)-Gesprächen ein romantisches Mosaik kreieren. Simpel aber nicht trivial; verworren aber nicht undurchschaubar. Ein Rätsel, dem man gern auf den Grund geht.

 

Anspieltipps:

  • Fall in Love
  • Nothing But Trouble
  • The Day You Died

 

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