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Summary

Tele - Wir brauchen nichts

Fragten Tele bei ihrem letzten Album noch „Wovon sollen wir leben“, scheinen sie nun die Antwort selbst gefunden zu haben. „Wir brauchen nichts“.

Band: Tele
Album: Wir brauchen nichts
Mitglieder: Francesco Wilking (Gesang), Martin Brombacher (Gitarre), Tobias Rodäbel (Gitarre), Stefan Wittich (Schlagzeug), Patrick Reising (Keyboard), Jörg Holdinghausen (Bass)
Herkunft: Freiburg, jetzt Berlin

Dass Tele gar nichts brauchen, kann man ihnen dann aber doch nicht so auf Anhieb glauben. Zumindest ohne die sprichwörtliche Luft und Liebe können diese Jungs nicht sein.
Beide L- Wörter finden sich denn auch auf der CD wieder und das sogar relativ offensichtlich. Das Plattencover zeigt ein Bild der Band in der Frontalen. Alle halten eine Nadel in der Hand, mit der sie gerade auf einen LUFTballon eingestochen haben. Den Moment danach hat die Kamera eingefangen: Man kneift die Augen aus Reflex zu und obwohl man den Knall selbst herbeigeführt hat, ist man dennoch überrascht und schreckt zusammen.

Wie diese Ballons zerplatzen auch sämtliche Träume gleich zu Beginn des Albums. Der Eröffnungssong „Mario“ berichtet von Visionen und Wünschen eines Millionärssohnes. Sobald man die ersten Takte hört, versteht man die Entscheidung der Plattenfirma, diesen Song zur ersten Single zu machen. Eingängig, vielseitig und so was von Ohrwurm, dass ein Weghören unter Strafe gestellt werden sollte.

Was dieses Album aber im Fortlauf auszeichnet ist die Tatsache, dass Tele munter so weiter machen wie sie begonnen haben. Eine beflügelte Melodie jagt die nächste und nebenbei offenbaren sich in jeder neuen Minute andere interessante Facetten der musikalischen Bandbreite: das wunderbare A cappella Intro von „Fieber“, schöne Marimbaklänge in „Ein Leben ohne dich“, der gekonnte Einsatz swingender Bläser in „Rio de Janeiro“…

Natürlich sollte man auch die Texte nicht außer Acht lassen, sind sie doch essentieller Bestandteil von Tele und nicht weniger schön als die Musik. Hier findet sich mehr oder weniger direkt und oft das zweite L-Wort wieder. Die Liebe. Aber eben nicht wie schon tausend mal gehört.

Gegen Ende des Album sticht dann der Titel „F.R.E.I.“ noch einmal richtig heraus. Ein Song der sich mit dem Wegzug aus Freiburg befasst und ungewöhnlich rockig für Tele-Verhältnisse ist. Eine schmissige Gitarre im Vordergrund, natürlich wieder mit sehr präsenter Melodie, und einem Klang, der auf die Tanzfläche zieht.

„Wir brauchen nichts“ umschifft jede Klippe, die sich einem deutschen Popalbum nur so in den Weg stellen kann. Es gibt keine abgedroschenen Phrasen, die den Wunsch nach englischen Texten lauter werden lassen. Keine einfachen 08/15 Melodien mit einem simplen Beat drunter.
Ja einen Tele-Song erkennt man nach den ersten paar Sekunden, aber trotzdem wird es nicht langweilig. Jeder Song hat seine ganz spezielle musikalische Note.

Fazit:

Vor genau einem Monat konstatierte Marco Stahn (El Chefe unserer Musikredaktion), dass Geschmeido mit ihrem Album „Auf Wiedersehen“ eines der besten Popalben der letzten Jahre abgeliefert haben. Zu dumm also, dass dieser Satz schon vergeben ist, denn eigentlich wollte ich ihn hier gekonnt platzieren.
Aber ist es Zufall oder mehr? Sowohl Geschmeido wie auch Tele kommen ursprünglich aus Freiburg, haben dort zusammen ein eigenes Studio aufgebaut, nur um dann später nach Berlin umzusiedeln. Nun haben beide Bands innerhalb von 4 Wochen zwei der schönsten Kleinode deutscher Popmusik der letzten Jahre veröffentlicht und sich die Auszeichnung „CD der Woche“ redlich verdient…
Wir brauchen nichts – aber wir brauchen Tele!

Anspieltipps:

● Mario
● Fieber
● Rio de Janeiro
● Bye Bye Berlin
● F.R.E.I.

glaubt nicht an Zufälle: Stephan Grunwald

Tele brauchen nichts - aber ihr braucht den Beitrag zum reinhören

die Bandhomepage
eine Erklärung zu jedem einzelnen Song des Albums

 

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