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Summary

Twin Shadow - Forget

Zurück in die Zukunft.

Album: Forget
Stylischer Bandname: Twin Shadow
Stylischer Hipster-Typ: George Lewis Jr.
Hippe Herkunft: Brooklyn, NYC, USA
Tags: 80s, Softpop, schwüle Regennacht, Elektro-Pop, nostalgisch, „gefällt mir“

 

Das Internet! Welch fürchterliches neumodisches Ding, das manche Trendsetter nun sogar schon Web 2.0 nennen! Unaufhörlich jagt es uns mit merkwürdigen Networks, Apps und Maps und Tags und Clouds! Gnadenlos degradiert es seine wehrlosen User zu virtuellen Selbstdarstellern, zu ahnungslosen Opfern einer grausamen Schnelllebigkeit! Und treibt diese... ja, wohin eigentlich? Stets voran – oder sukzessive zurück? Zurück?

Ja, zurück. Der coole Hipster-User übt sich in Rebellion gegen das System „neue Technologien“ und propagiert derzeit ganz bewusst alte Nostalgien: Schallplatten (bestellt über Amazon), Polaroids (Upload auf Flickr), Vintage-Kram (gekauft bei Ebay). Zweite Hand statt erste Wahl, Lo-Fi-Sound statt High-Tech-Klang. So präsentiert man sich derzeit als strebsames Indieviduum.

Das Wörtchen „strebsam“ wiederum wirft uns zurück, ja zurück, in die guten alten Schulzeiten, bei denen man sich rückblickend verwundert fragt, wie um alles in der Welt man sich ohne Web 2.0 organisieren konnte und ob der Klassenverband ohne Facebook als solcher überhaupt bestehen konnte. Konnte er wohl, fällt uns da ein und dann erinnern wir uns prompt an die gängigen Klassenstrukturen: der Lehrer, die Zicke, der Faule, Langweiler, diverse Aufmerksamkeitsdefizite und natürlich, der Streber. Vom Lehrer geliebt, von den Mitschülern gemobbt und gemieden, so musste der Streber sein tristes Schüler-Dasein fristen. Von Grund auf zuvorkommend und furchtbar nett, fleißig und ambitioniert, galt er als perfektes Aushängeschild seiner Klasse, wurde jedoch von den eher weniger Ehrgeizigen in den hinteren Bankreihen stets mit Misstrauen beäugt. Sein sozialer Kontakt war gefragt – bei vergessenen Hausaufgaben.

Und da wären wir (nach sehr sehr knappem Einstieg) auch schon bei George Lewis Junior. Der ist nämlich ein ziemlicher Streber: er agiert in Brooklyn, trägt ein angesagtes „Twin“ im Künstlernamen und produziert zudem noch einen wahnsinnig nostalgischen 80er-Jahre Sound – Hipness in Perfektion.
Doch dem ist nicht genug. Als Twin Shadow ist er mit seinem Debütalbum, das den ereignisreichen Titel „Forget“ trägt, definitiv auf dem Weg zum Klassenbesten im Bereich des Neo-New-Wave.

Seine Songs sind derart schöngeistige Elektro-Pop-Kleinode, dass die beiden Klassenkameraden von HURTS vor Neid noch blasser werden dürften. Zwar hat der Sound von Twin Shadow eine ähnlich schwere 80er-Jahre-Schlagseite, doch im Gegensatz zu den omnipräsenten Kollegen scheut er große Gesten und meidet die inszenierte Dramatisierung. Nein, Twin Shadow ist da anders. Er ist der Pop-Streber, den alle mögen könnten, wenn sie denn nicht die ganze Zeit ehrfürchtig auf die HURTS schielen würden. Seine Songs sind ein wenig introvertiert, die Arrangements subtil, die Beats vorsichtig. Softpop - könnte man da als Fauler aus der letzten Reihe spotten, doch dann müsste man wohl kleinlaut zugeben, dass Seichtes selten so schön war. Hier sitzt jeder Ton, jeder Einsatz. Eine homogene Klangfarbe entsteht, die detailliert ist, entzückt und verspielt – arrangiert in ambitionierter Präzision.
Werden Zitate großer Pop-Autoren der 80er Jahre abgefragt, ist die Hand von Twin Shadow recht oft oben. Im Zitieren ist er ziemlich gut. Doch er imitiert den Klang des vorvorletzten (Rechnen...bäh) Jahrzehnts mit einer Wärme, die die einstige Kälte der synthetischen Synthesizer vergessen macht. Forget eben. Stattdessen entsteht eine Atmosphäre, schwül wie der tropische Monsun, geheimnisvoll funkelnd wie die sommerliche Nacht.

Twin Shadow ist Wohlfühlpop im allerbesten Sinne. George Lewis Junior ist ein schöngeistiger Pop-Perfektionist. Klassenbester, Hipster-Streber, Nostalgiker und Web 2.0 Opfer. Mit seinem Debüt schlägt er gekonnt die Brücke zwischen heute und gestern, zwischen voran und zurück.

 

Anspieltipps:

  • Slow
  • Tether Beat
  • When We're Dancing
  • I Can't Wait
  • Shooting Holes
  • For Now
  • und der Rest

 

 

A thought that never changes remains a stupid lie, it's never been quite the same - no hearing or breathing, no movement, no colors, just silence: Johanna Eisner

 

Iiiih! Internet!

http://twinshadow.net/

Wuääh! Web 2.0!

http://www.myspace.com/thetwinshadow

Talk Talk:

http://www.youtube.com/watch?v=Tr3eWOSoVf4

 

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