Radio UNiCC
Jetzt bei Radio UNiCC

Summary

Warpaint - Warpaint

Protokoll einer Bekehrten

Künstler: Warpaint
Album: Warpaint
Mitglieder: Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg, Stella Mozgawa
Herkunft: Los Angeles, USA
Klingt wie: traurige Feen auf LSD

Beim ersten Anhören war mir Warpaint irgendwie zu viel Gejaule. Neu war da jetzt auch nichts dran, oder? Aber alle finden’s im Internet voll geil - wo ich auch bei meinen Vorreitern des guten Geschmacks - Musikmagazine im Netz, Musikblogs etc. etc. - hinschaue, alle gehen drauf ab und loben das Album schon in der zweiten Woche des Jahres in den LP-Olymp für 2014. Hab ich da was verpasst? Haben sie die Zwölfton-Musik irgendwie neu erfunden? Lieber mal kurz mit Hintergrundwissen brillieren, über fehlende Musikkenntnis hinwegtäuschen, während das Album im Hintergrund weiterläuft: (Das Intro läuft… kurzes Geschreie aus dem Probenraum? Drummerin zählt an, los geht’s… es folgen zwei Minuten Drums, E-Gitarre im Wechsel.)

Wikipedia sagt, es handle sich bei Warpaint um eine experimentelle Rock-Band aus der Stadt der Engel in den USA.  Laut omnipotentem und meinungsmachendem Ratgeber urbandictionary ist Rock-Musik: „Music in it's purest form. Played with real instruments. The only music everybody likes in one form or the other. Comes in a varity of types.“

Och ja, echte Instrumente, check, jeder mag’s (anscheinend schon, die M-Redak hat’s ja auch zum Album der Woche gewählt, als ich nicht da war und auch 206 444 Facebook-Fans können nicht irren), check, passt. (Im Hintergrund läuft Love is to die - und ich bemerke Warpaints Faible, mit den Sticks rumzuklackern.) 2004 wurde die Band gegründet, aber erst vier Jahre später haben die 4 Ladies was veröffentlicht. Vielleicht konnte man sich nicht entscheiden, wer von ihnen nun die theatralischste „don’t confuse me for someone who gives a fuck“-Stimme mit Björk-Einflüssen hat. Wenn ein Lied aber schon Love is to die heißt, können die Herzen zu den Stimmen nicht besonders glücklich und in der euphorischsten Phase ihres Lebens stecken - und da höre ich der Nachtigall trabsen, die mich das ganze Projekt bezweifeln lässt: Die desolate Stimmung, die hier transportiert wird, erinnert an Post-Punk, New Wave von The Cure und Joy Division, allesamt tolle Musiker aber unglaublich unglückliche Menschen und damit einfach nicht in meinen Jahresplan passend. In 2014 ist Pro-Sein das neue Anti, alle wollen immer dafür sein und Geschichten erleben, die sie dann später erzählen können oder so.

Als ich meinen eigenen Widerspruch erkenne, merke ich, dass mir die einsetzende Snare-Drum bei Hi schon mal ganz gut gefällt, hier kommt ein bisschen Leben in die Bude, das lyrische Ich hat sich aus dem Sud des Selbstmitleids erhoben und sagt „Hi!“ zum Leben - good for you!
Und bevor ich dann denke, dass ich echt nicht mehr kann und mir die erste Buddel Wein ansetzen muss, kommt unverhofft Hoffnung um die Ecke gesprungen (in Form von Disco//very). Psychedelisch treibend, so wie sich wohl so ein guter LSD-Trip im Geiste der alten kalifornischen Hippies anfühlt, tanze ich sitzend ein wenig auf meinem Stuhl herum - und fange an, meine Vorredner des World Wide Webs zu verstehen. Und glaube, ohne mir die Lyrics angeschaut zu haben, dass hier im Laufe des Albums etwas verarbeitet wird, 5 Stufen der Trauer oder wie das in jeder amerikanischen Serie immer erläutert wird. (Passend dazu heißt das jetzige Lied auch Feeling Alright!) Immer wieder werden hier wilde Klangteppiche gewoben und elektronische Samples lassen erahnen, den Zeitgeist welchen Jahrzehnts gerade entsprochen wird.

Och joa, Warpaint, eigentlich ein ganz schönes Album. Ihr könnt ja nichts dafür, dass ihr’s mit so einem lebensbejahenden Menschen wie mir zu tun habt. Zu eurem Glück gibt es aber genug Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir (für den Ausspruch werde ich wohl in die Karma-Hölle kommen), außerdem liegt draußen der erste Schnee, Frühlingsgefühle sind noch weit entfernte Träume und damit seid ihr ja perfekt für diese einsamen Waldspaziergänge im Dunkel gemacht.

Anspieltipps:

  • Love Is To Die 
  • Disco//very 
  • Feeling Alright 

Call me, wenn’s euch wieder besser geht, auf die kleinen Happening-Zwischenspiele lass ich mich gerne mit euch ein: Vera Jakubeit

Die finnische Band Poets of The Fall hat im letzten Herbst das Album „Ultraviolet“ in die Läden gebracht. Eine sehr berührende Ballade daraus ist die Single „Dancing On Broken Glass“.

Um die kanadische Sängerin Avril Lavigne war es die letzte Zeit still und nun steht am 15. Februar das neue gleichnamige neue Album „Head Above Water“ in den Startlöchern. Darin erzählt Avril ihre Leidensgeschichte aus den vergangenen Jahren.

Die amerikanische Rockband AFI haben Ende 2018 ihre EP „The Missing Man“ herausgebracht. Am meisten stach der Titel „Trash Bat“ heraus, vor allem, weil man das Substantiv nicht gleich einzuordnen weiß.

Fall Out Boy sind eine Alternativerockband aus Chicago und begeistern seit vielen Jahren die Fans. Das Album „Mania“ brachte ihnen in Deutschland etwas mehr Bekanntheit, was auch nicht zuletzt an der poppigen Nummer „The Last of The Real Ones“ lag.

Imminence sind eine Metalcoreband aus Malmö und begeistern seit einigen Jahren die Fans. Auf dem Album "This is Goodbye" findet man viele traurige und tiefgreifende Lieder. Einer dieser Songs ist "Diamonds", der nicht nur als Single hervorsticht, sondern auch einen Text hat, der zum Nachdenken anregt.