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Summary

Wildbirds & Peacedrums - Rivers

Vom Häuten der Zwiebel.

Band: Wildbirds & Peacedrums
Album: Rivers
Mitglieder: Mariam Wallentin (Gesang, Steel), Andreas Werliin (Drums, Percussion)
Herkunft: Göteborg, Schweden, Europa
klingt wie: ein Kammerspiel zwischen choralem Rückzug und perkussivem Ausbruch

November. Der Monat der Farbe Grau. Das Jahr verabschiedet sich, das Volk trauert, betet und büßt. Die Natur scheint zu sterben: die unheimlichen, bizarr-schönen Skelette der Bäume ragen im Nebel hervor, verschwinden in der Dunkelheit. "The light, it moves too fast, when she's awake. Like she's a turtle and it's a plaque."
Vögel singen kaum noch. Manche haben sich in die südlichen Gefilde verzogen. Und von denjenigen, die da blieben, trifft man nur noch die Krähen. Schwarz und bedrohlich.
Aus Schweden allerdings kommen zwei wilde Vögel angeflattert, setzen sich in unsere Ohren und schlagen ihre Friedenstrommeln. Mariam & Andreas, oder eben auch Wildbirds & Peacedrums, setzen auf ihrem zweiten Album Rivers, das vielmehr zwei EPs namens Retina und Iris ist, erneut zum großen Experiment an. Ihr Ziel: eine radikale Häutung von Popmusik.

Retina:

Ein Chor. Sakral steht er am Anfang aller Dinge. Er bettet die Musik, die stets fast nackt daherkommt, besteht sie doch nur aus Schlagwerk und Gesang. Der Chor schützt und wärmt sie. Kahl wie die Baumskelette scheint die Musik der Wildbirds & Peacedrums. Hier gibt es kein Zuviel. Und doch ist alles genug: "totally too many/ it all/being too much of everything/but not meaning anything."
So heißt es im Opener „Bleed like there was no Other Flood“, der Choral, Mariams Gesang und die Drums zu etwas verdichtet, das jeglicher Kategorisierung trotzt – doch auf der Suche nach dem Pop entfaltet dieser Versuch, sich ihm anzunähern, eine intime Wucht.
Das hier ist Kammerpop im wahrsten Sinne. Es gibt nur den Takt, den Chor, Mariam und dich. Manchmal bedarf das Schaffen großer Kunst nur einfacher Mittel. Disharmonien, die ihr Dis verlieren, zum Beispiel. Oder ein A capella, tieftraurig, aber wunderschön. Der Hörer ist hierbei manchmal zwar ganz allein, aber niemals einsam.Auf einmal pulsieren die Trommeln, rütteln auf. Der Chor repetiert, rezitiert, retardiert. Imitiert in Polyphonie mögliche Instrumente und ist dabei sein eigenes Instrument. „The second war is here/ the first one was outside/this one is inside“ Mariams Ankündigung klingt kaum einladend. „An army made of fear/ how useful is that?“ Diese Frage allerdings scheint berechtigt. „Hide from me/but please still seek for me/ a battle is unfair/when nerves is the bow/ and the bone is the arrow.“

Das hier ist tiefer als Pop. Es ähnelt einer Askese, der absoluten Besinnung auf das Selbst. Der Suche nach den Wurzeln.

Iris:

Der Weg aus der choralen Askese führt über die Steeldrums hinein in die Geselligkeit. Hier ist alles verspielt, ja sogar ein wenig bunt. Der Popsong scheint greifbar. Dennoch bleibt die Instrumentierung karg. Die Songtitel sind es auch. The Wave, The Drop, The Course. Die Strukturen bleiben ungewöhnlich, Refrains lassen sich kaum erkennen. Der innere Rückzug weicht der Aufforderung. „Give me all, give me it, the thing I need, to feel complete“ - The Course ist wohl das Herzstück dieser EP. Schwarzmalerisch und doch hoffnungsvoll, ekstatisch ohne dabei laut zu sein, atemlos. „So that after the sunrise and the dawn something better will come/ so that after the sunset and the nightfall something better must come“, wirkt am Ende wie Erleuchtung und Erlösung im gleichen Atemzug. The Well hingegen ist mit seinem taumelnden Trommeln, den treibenden Rhythmen, den extrovertierten Ausbrüchen verdächtig nahe am Pop, schafft es aber dennoch die mühsam aufgebaute Distanz zu halten.

Rivers:

Wildbirds & Peacedrums berauben Popmusik. Sie stehlen ihr den Refrain und damit die Eingängigkeit. Klauen ihr die Oberflächlichkeit. „Peeling Off The Layes“ heißt der letzte Song auf Retina. Und genau das ist es, was die beiden tun: Schicht für Schicht häuten sie Popmusik. Wie eine Zwiebel. Dabei nehmen sie das Beißen, das Kneifen, die tränenden Augen in Kauf. Denn am Ende stehen oft Abgründe und Ängste. „I wish I could find a cure/and to know my disease/but like nothing is certain/ the circle will form a line“ Doch bleibt nach dem Schälen auch ein organischer Sound: nah an der Natur, nah an sich selbst.

 

Anspielen

  • Bleed Like There Was No Other Flood

  • The Course

  • Fight For Me

  • Peeling Off The Layers

  • The Well

  • The Drop

 

Summer sent a runner through the weather that I'm under for the feeling that I lost today: Johanna Eisner

 

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http://www.myspace.com/wildbirdsandpeacedrums

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