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Summary

Zola Jesus - Stridulum II

Gefangen in der Weite

Band: Zola Jesus
Album: Stridulum II (EP Stridulum + 3 neue Songs)
Mitfrau:
Nika Roza Danilova
Herkunft: Brooklyn, New York
Klingt wie:
vom Berg ins Tal erklingender Gesang mit Licht aus

Zola Jesus – Das sind Émile Zola und Jesus von Nazareth. Zola kennt mancher als großen politisch engagierten französischen Schriftsteller und Jesus kennt ja jeder als, wie sich herausgestellt hat, nie erreichtes Ideal des Menschen. Da beide berechtigterweise mit ihrem Nachwirken auf die Welt unzufrieden sind, scheint es nur folgerichtig, dass sie endlich mal zusammen Musik machen, weil es da nichts zu verlieren gibt. Denn: Musik ist sinnlos, sie führt zu nichts und bringt keinen weiter. Kurz: die richtige Ausdrucksform für Menschen, die nur Ursprung, aber kein Ziel (mehr) haben. Also etwas zum Austoben und frei sein, was wohl beiden heute gut tun würde. Auch wenn es überaus spannend wäre, ein Album von Schreiber und Zimmermann zu rezensieren, muss das wegen einer etymologischen Enttäuschung ausbleiben: Hinter Zola Jesus stecken gar keine Denkmäler der modernen Menschheitsgeschichte, sondern ganz einfach die 21-jährige Nika Roza Danilova und als sie gefragt wurde „ what is the story behind your name?“, lautete die Antwort:I was in high school, and I really liked Émile Zola at the time. And Jesus, why not Jesus?“

Genau! Warum nicht? Immerhin ist die etymologische auch die einzige Enttäuschung an Zola Jesus. Das Album Stridulum II ist viel besser produziert als der Vorgänger The Spoils, was dem Sound – Lo-Fi-Verfechterei hin oder her – einfach gut tut. Night, ein Opener im würdigenden Sinne des Wortes, setzt die Stimmung des Albums: es wird dunkel, es ist Nacht und nichts ist zu Hören außer Danilovas berührend dunkle (ja, dunkle) Stimme, die von dezenter, aber entschlossener, Instrumentierung umschmeichelt wird. Die meditative Langsamkeit der Songs, verleiht der unbedingt im Zentrum stehenden Stimme noch mehr Schwere als sie ohnehin schon hat. Danilova hatte 10 Jahre Unterricht in Operngesang. Für die Oper ist das nicht viel, aber ihrer angenehm markanten Stimme gibt es die Kraft, die Weite zu erzeugen, in der sie den Hörer zu fangen vermag.

Die Instrumentierung ist, abgesehen von ihrer Zurückhaltung, einfach strukturiert. Zu langsamen Beats und Trommeln mit teilweise marschhaften Rhythmen hinzukommend, fügen dezente Streicher, ab und zu ein Klaviertastenanschlag und tief verhallende Gesangsfragmente das Ganze zusammen. Über allem thront aber stets der ätherische Gesang und Danilova gönnt sich dabei selten eine Pause, was nicht schlimm ist, weil man dessen Klang nicht überdrüssig wird.

Man könnte jetzt wieder staunend fragen, wie es denn angeht, dass eine 21-Jährige solche vertonten Meditationen äußern kann ohne lächerlich zu wirken, weil alle 21-Jährigen, die man kennt, das wohl schlicht und einfach täten. Nur muss das Staunen ein Ende haben, denn Ihresgleichen geschieht: Die 21-Jährigen von heute, sind die 31-Jährigen des letzten Jahrhunderts. Jedenfalls liegt mit Stridulum II von Zola Jesus zwar ein sehr dunkles (der Verfasser meidet mit voller Absicht die Bezeichnung „düster“) , aber doch nicht negatives Album vor. Trotz aller schwerer Schwärze hört man jeden Song nach vorn, nach oben und in die Ferne schauernd, um hier mal ein Bild zu verwenden. Die meditative Eintönigkeit könnte allerdings dahingehend ein Makel sein, dass sich Stridulum II in seiner Frische schnell erschöpft.

 

Anspieltipps:

  • Night
  • Tower
  • Sea Talk
  • Manifest Destiny

 

Hätte trotz allem gern ein Album von Zola und Jesus gehört: Eric Kanold.

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