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Summary

Bernulf Kanitscheider: Kleine Philosophie der Mathematik

Der Ruf der Mathematik ist der einer kalten, nüchternen, schwer zugänglichen Wissenschaft, in der sich alles um Zahlen und Formeln dreht, um Geometrie und um die Klarheit eineindeutiger Beweise. Im Alltag spielt die Mathematik nur eine Rolle im Rahmen einfacher Arithmetik, Geometrie und statistischer Überlegungen. Die weiter führenden Teilgebiete wirken auf den Laien meist abstrakt und kompliziert.

Der Ruf der Philosophie ist der, unverständliche Gedankengebäude zu erschaffen, diffus und ohne Nutzen für das praktische, echte Leben. Philosophische Fragestellungen tauchen im Alltag meist im Rahmen von Ethik und Religion auf. Außerhalb der praktischen Philosophie aber werden die Konzepte schnell zu abstrakt, zu schwammig, kurz: Zu weit weg von der greifbaren Lebenswirklichkeit.
Dass die beiden Fächer etwas miteinander zu tun haben, denken im ersten Moment die Wenigsten, und doch ist es so. Die Mathematik und die Philosophie verbindet eine lange gemeinsame Geschichte mit mehr als nur einer Schnittstelle und mehr als nur einem Streitpunkt. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass beide Wissenschaften zu unterschiedlichen Zeiten in der Kulturgeschichte als gefährlich angesehen wurden.
In seinem Buch, "Kleine Philosophie der Mathematik", will Bernulf Kanitscheider den interessierten Leser an die Kontaktzone, wie er es nennt, von Philosophie und Mathematik heranführen. Dabei möchte er deutlich machen, wie unvermeidlich miteinander verschränkt beide Wissenschaften sind. Sie haben nicht nur eine gemeinsame Herkunft in der Antike, in den ersten Logikern der europäischen Geistesgeschichte, sondern auch heute noch sind Mathematik und Philosophie an vielen Punkten eng verzahnt und es gibt viele Überschneidungsbereiche. Die Quantenmechanik zum Beispiel ist einer dieser Bereiche, in denen die Philosophie – inmitten der Physik – zum Tragen kommt.

Kanitscheider beginnt seine Untersuchung mit einer Kritik der Tradition der zwei Kulturen, einer Aufteilung zwischen wissenschaftlicher und literarischer Kultur, die ich selbst für äußerst grenzwertig halte. Die unbedingte Trennung, die Zuordnung der Geisteswissenschaften zur literarischen Kultur auf der einen Seite, der Mathematik, Logik und exakten Wissenschaften zur wissenschaftlichen Kultur auf der anderen Seite, und der Philosophie als zwischen diesen beiden Kulturen stehend, steht meinem persönlichen Verständnis der Wissenschaften entgegen, was das Buch umso interessanter macht – denn ich halte es wie Kafka: "Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch?"[1]

Prof. Dr. Bernulf Kanitscheider hatte von 1974 bis 2007 den Lehrstuhl für Philosophie der Naturwissenschaften im Fachbereich Physik und am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen inne. Seine Hauptarbeitsgebiete sind Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Kosmologie, begriffliche Analyse von Relativitätstheorie und Quantenmechanik sowie Untersuchungen zur Naturalismusproblematik und zur Fundierung einer materialistischen Ethik.[2]
Mit diesem breit gefächerten Fachgebiet – und ich nenne es absichtlich ein Fachgebiet – zeigt er sich als ein Wissenschaftler, der die postulierte Trennung der Geistes- von den Naturwissenschaften zumindest zum Teil überschreitet. Dies liegt an der engen Verflechtung der Philosophie als erster Wissenschaft mit allen aus ihr hervorgegangenen, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Zugleich bleibt aber eine Distanz bestehen; in diesem Sinne muss die Trennung von literarischer und wissenschaftlicher Kultur, so unpassend die Wortwahl selbst sein mag, zumindest in Betracht gezogen werden. Doch zurück zum Buch selbst.

Bernulf Kanitscheider versucht, die Trennung der beiden Kulturen aufzubrechen, doch gelingt es ihm zunächst nicht. Die Mathematik, so werden wir sehen, wird das Problem aber lösen.
Das zweite Kapitel des Buches ist der Eigenheit mathematischer Rationalität gewidmet. Die Themen reichen dabei von der mathematischen Existenz über die Unterscheidung nach abstrakten und konkreten Objekten bis hin zur absoluten Unentscheidbarkeit.
Im dritten Kapitel betrachtet Kanitscheider den Gegenstand der Mathematik unter der Frage "Objekte oder Phantome?" Hierbei geht es unter anderem um Logik und Paradoxien – beides tief verwurzelt in der Philosophie –  um den Begriff des Unendlichen, um Logizismus und Platonismus, um Zufall und Notwendigkeit. Es kommen hier antike Philosophen, aber auch die analytische Philosophie in ihrem Verhältnis zur Mathematik zur Sprache.
Abgeschlossen wird dieses Kapitel und damit auch das Buch mit Betrachtungen zur Mathematik als Leitkultur der Wissenschaft. Dabei spricht Kanitscheider von der Mathematik als einer Wissenschaft mit allumfassendem Charakter, der die Trennung der Natur- von den Geisteswissenschaften überwindet. Er belegt die Notwendigkeit mathematischen Verstehens, die sich durch alle Wissenschaften zieht.
Damit wird das Buch zum Plädoyer für eine umfassende mathematische Bildung auf allen Gebieten. Bernulf Kanitscheider zieht die Mathematik aus dem Brunnen, in den der Anglist Dietrich Schwanitz sie und andere 1999 warf, als er mathematisches Wissen als trivial und nicht kulturrelevant abkanzelte. Zugleich beschwört Kanitscheider eine Versöhnung der literarischen und wissenschaftlichen Kultur, die nicht anders als erkenntnisbringend genannt werden kann.

Ich selbst hätte mir von der "Kleinen Philosophie der Mathematik" gewünscht, dass der philosophische Berührungsraum noch stärker ausgelotet wird. Die enge Verbindung der beiden Wissenschaften wird klar, jedoch fehlt mir letztlich in der Verteidigung mathematischen Wissens die Erkenntnis, dass ohne den philosophischen Grund und den weiter gehenden philosophischen Einfluss auch in den höheren, abstrakteren Bereichen der Wissenschaft, Erkenntniserlangung trotz allem eine Arbeit auf wackeligem Gerüst wäre. Philosophie und Mathematik sind sich nicht nur gegenseitig Ansporn, Inspiration und Kontrolle – sie sind sich auch im Kern sehr ähnlich.

Dem Anspruch, auch für interessierte Laien lesbar zu sein, wird die „Kleine Philosophie der Mathematik“ leider nicht gerecht. Das Buch ist in wissenschaftlicher Sprache geschrieben, gesättigt mit Fachbegriffen aus der Mathematik wie auch der Philosophie und als solches nicht geeignet für Leser, die nicht wenigstens einer der beiden Wissenschaften zumindest nahestehen. Der Grenzbereich zwischen Mathematik und Philosophie zeigt sich als ein außerordentlich prächtiger, von Logik geprägter und überaus anspruchsvoller Gegenstand.

Bernulf Kanitscheiders "Kleine Philosophie der Mathematik" ist ein sehr kluges kleines Buch, das zum Nachdenken über die Verknüpfungen der Wissenschaften untereinander anregt und so nicht zuletzt einen Beitrag leistet zu einer harmonischen Sicht auf die Wissenschaften, die trotz aller Unterschiede voneinander profitieren können. Dies zeigt auch die sich im akademischen Bereich ausweitende Entwicklung hin zu fächerübergreifenden Studiengängen, die Natur- und Geisteswissenschaften zu verknüpfen suchen, um neue Antworten auf zuvor nie gestellte Fragen zu finden.

Die „Kleine Philosophie der Mathematik“ von Bernulf Kanitscheider ist am 20. Februar 2017 im S. Hirzel Verlag erschienen.
Wenn ihr ein Exemplar gewinnen wollt, dann schreibt jetzt eine Email an gewinn(at)radio-unicc(dot)de mit dem Betreff "Kleine Philosophie der Mathematik"! Die schnellste Mail gewinnt.

 


[1] Franz Kafka, Briefe 1902- 1924, Fischer Verlag 1998, Seite 27 ff.
[2] S. Hirzel Verlag.

Wer manchmal auch aus der deutschsprachigen Literatur ausbrechen möchte, oder einfach neugierig ist auf aktuelle kreative Texte von Autoren und Autorinnen unterschiedlicher Professionalität und Couleur, sei herzlich dazu eingeladen, sich das Journal "Turning Pages" einmal näher anzuschauen.

 

Die erste Ausgabe des künftig jährlich erscheinenden Journals für kreatives Schreiben wurde 2019 im Universitätsverlag der TU Chemnitz veröffentlicht. Initiiert und herausgegeben wird es von der Professur für Anglistische Literaturwissenschaft, namentlich Prof. Cecile Sandten und Mandy Beck.

Die versammelten Texte und Grafiken der ersten Ausgabe stammen von Studierenden, Schülerinnen und Schülern, Lehrenden sowie internationalen Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Ebenso bunt wie die Autorinnen und Autoren sind die Texte selbst: Die Bandbreite reicht von Lyrik über Kurzdramen bis hin zu Prosa. Alles ist dabei, und alles zeigt, wie vielfältig die englische Sprache jenseits des wissenschaftlichen Kontext ist.

 

An dieser Stelle sollte eigentlich ein Lesetipp stehen - mein persönlicher Favorit. Es fällt mir aber schwer, mich zu entscheiden. Die Grafik "Coffee" von Maria Costantino ist jedenfalls ein perfekter Einstieg in die Sammlung. Beeindruckend, berührend, tiefsinnig, amüsant, oder schlicht wundervoll fand ich sowohl Gedichte ohne Titel (z. B. von Prue Goredema, Seite 20), als auch die Beiträge von Lisa-Marie Pöhland ("Spacewalk"), Mandy Beck ("Divorce Battle" & "Divorce Battle II", einfach großartig), Ian Watson ("Aquarelle: Writing in the Gallery") und Cecile Sandten ("Clear Mind"). Eine hervorragende Verbindung aus Gedicht und bildlicher Umsetzung ist auch "A Short Poem about Humans" von Michelle Seifert.

Und nun, da ich noch einmal alle Beiträge Revue passieren lasse, habe ich doch zwei Highlights, die ich den Interessierten Leserinnen und Lesern gern ans Herz legen möchte: Der Auszug aus dem Stück "No Man is an (Irish) Island" von Play it by Ear & Barry Sloan regt zum Nachdenken an, ebenso "A Journey 'nach' Chemnitz" von Amjad Alfayad. Beide Texte, aber bei Weitem nicht nur diese beiden, schlagen eine Brücke zwischen Literatur und Wirklichkeit. Sie spiegeln die Themen der Zeit in die Kreativität ihrer Autorinnen und Autoren hinein, und von dort zu uns, die wir lesen.

 

"Turning Pages. An Annual Creative Writing Journal at Chemnitz University of Technology", Ausgabe 1, erschien 2019 als Open-Access-Publikation im Universitätsverlag der TU Chemnitz.

Mögen noch viele weitere Ausgaben folgen!

 

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Das Leben ist manchmal absurd, vor allem in alltäglichen Kleinigkeiten. Aber es steckt eben darum auch voller Humor und Widersinn.

Ein Könner in der Aufdeckung dieser Absurditäten war Słavomir Mrożek. 2019 erschien in der Reihe "Minute Books" des Diogenes Verlag eine Zusammenstellung von kurzen Erzählungen Mrożeks, jeweils Themen des Alltags zugeordnet.

Es handelt sich dabei um geistreiche kleine Texte mit geschliffenen Formulierungen, intelligente Kurzdramen, die den Blick auf alltägliche wie nicht alltägliche Absurditäten richten. Es geht um Nobelpreise und Bürokratie, um Ängste, Moral und auch den Tod.

Meine persönlichen Lieblingstexte dieser Sammlung sind:

  • Auf dem Turm (zum Thema Angst)
  • Der Partner (zum Thema Business)
  • Der Entschluss (zum Thema Entschlossenheit) und
  • Brief nach Schweden (zum Thema Literatur).

Mein persönliches Highlight ist:

  • Archäologie (zum Thema Bürokratie).

Das Schöne an diesem Minute Book ist neben der Kurzweiligkeit und der knackigen Kürze der Texte auch das Format der Reihe selbst: Das Buch passt bequem selbst in die Hosentasche und ist schnell hervorgeholt.

Meine einzige Kritik betrifft ein redaktionelles Missgeschick: Der Titel ist unterschrieben mit "mit Zeichnungen von Chaval", jedoch ist bei der Minute Book Ausgabe das Buchcover selbst die einzige Seite, die ein Werk Chavals zeigt. Dem Lesegenuss tut dies indes keinen Abbruch.

Das Minute Book "Das Leben für Anfänger. Ein zeitloses ABC" von Słavomir Mrożek, 2019 im Diogenes Verlag erschienen, ist ein kurzweiliges, humorvolles, überraschendes und sehr lesenswertes kleines Büchlein für jede Gelegenheit, das überdies Lust auf Mehr macht.

Auch als kleines Geschenk oder Mitbringsel ist es sehr gut geeignet.

 

 

"Unser Gehirn - durchschnittlich 1,4 Kilogramm schwer, etwa drei Fäuste groß, runzlig wie eine Walnuss, rosa und von der Konsistenz eines Wackelpuddings - ist das komplexeste Organ im ganzen bekannten Universum." [S.11] 

Und wir alle wissen: Je komplexer ein System ist, umso störanfälliger ist es, und umso vielfältiger sind die Ergebnisse, wenn etwas im Detail abweicht oder schlicht anders läuft als normal.

In “Der Nobelpreisträger, der im Wald einen höflichen Waschbär traf” versammelt Monika Niehaus, wie schon in seinem Vorgänger, "Die Frau, die ihren Mann für einen Doppelgänger hielt", verschiedene neuropsychiatrische Erkrankungen, die alle eines gemeinsam haben: nämlich, dass eben etwas anders läuft in der komplexen Maschinerie des Gehirns, als beim Durchschnittsmenschen. 

Dreißig ausgewählte Syndrome fügen sich in alphabetischer Reihenfolge zu einem spannenden Konglomerat zusammen und geben Einblicke in Irritierendes, Verstörendes, Sonderbares. Hinzu kommt eine wichtige Erkenntnis: 

"[...] das, was wir als "gesund" oder "krank" bezeichnen, [ist] eher eine gesellschaftliche Übereinkunft [...] als eine wissenschaftliche Erkenntnis: Sieht eine Gesellschaft Sklaverei als normal und gottgegeben an, dann ist jemand, der diesen Konsens nicht akzeptiert, eben "verrückt".
Der Übergang zwischen gesundem und krankhaftem Verhalten ist stets fließend und eine Grenzziehung ist immer schwierig, wenn nicht gar unmöglich."
[S.12]
So wird die Frage, wie zwischen geistig gesund und psychologisch auffällig unterschieden wird, immer wieder aufgegriffen. Ein erfundenes Syndrom aus der Zeit der US-amerikanischen Sklaverei hat so Eingang ins Buch gefunden: Die so genannte Drapetomanie - der Drang davonzulaufen - wird durch die Autorin als das entlarvt, das sie war: Eine Erfindung einer pervertierten Psychiatrie, die unmenschliche Umstände und deren Aufrechterhaltung scheinbar medizinisch begründete.

Niehaus bietet auch einen Exkurs zu kulturgebundenen Syndromen, also solchen, die nur innerhalb bestimmter kultureller Umgebungen beobachtet werden. Neben der Beschreibung der Syndrome und Fallbeispielen bietet die Autorin immer auch einen Blick auf die kulturelle Verarbeitung des Syndroms, denn viele der im Buch vorgestellten Syndrome fanden Eingang in Literatur, Film und Bühne, in die Malerei und die Musik.

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Lektüre ist außerdem diese: Nicht alle psychischen Syndrome sind psychische Störungen und müssen behandelt werden. Manche sind harmlos, aber beunruhigend für die Patienten, wie das Exploding-Head-Syndrom. Andere sind schlicht ungewöhnlich, wie das Hyperthymestische Syndrom, das eine außergewöhnliche biografische Gedächtnisleistung mit sich bringt. 

Die Kapitel von “Der Nobelpreisträger, der im Wald einen höflichen Waschbär traf” können in beliebiger Reihenfolge gelesen werden. Am Ende findet sich, neben der erwähnten kulturellen Verarbeitung des besprochenen Syndroms, immer auch der eine oder andere Querverweis auf andere, ähnliche Syndrome im Buch oder seinem Vorgänger. ...

Der Schlaf ist der Bruder des Todes, doch ungleich mächtiger, denn er zwingt sogar die unsterblichen Götter. So jedenfalls erzählen es die alten griechischen Mythen.

Im 18. Jahrhundert noch hieß es “Lange Schlafen macht dumm, träge und ungesund; man muss also kurz schlafen.” Eine nachvollziehbare Haltung, wenn man meint, der Schlaf raube uns wertvolle Lebens- und Schaffenszeit. 

In unserer heutigen Rezension sehen wir uns ein Buch zum Thema Schlaf an: Karoline Walters “Guten Abend, gute Nacht. Eine kleine Kulturgeschichte des Schlafs”, erschienen im Hirzel Verlag 2019.

 

Bei “Guten Abend, gute Nacht” handelt es sich nicht um ein Sachbuch an sich. Es ist eher in den Bereich der Populärwissenschaften einzuordnen, hier und da ergänzt um Anekdoten bekannter Persönlichkeiten oder aus dem Leben der Autorin. 

Das Buch verspricht und bietet einen kleinen Ritt durch die Kulturgeschichte des Schlafes vor allem im westlichen Raum, mit dem einen oder anderen Abstecher in andere Kulturkreise. 

Dabei geht es aber nicht nur um Schlafenszeiten, -dauer und -phasen, sondern auch um die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen veränderter Licht-, aber auch Arbeitsbedingungen im Laufe der Zeit. Vor der Industrialisierung und der Erleuchtung der Städte bei Nacht haben die Menschen anders geschlafen, als sie es seitdem tun. 

Kulturelle Unterschiede zwischen den Zeitaltern wie auch den Kontinenten werden ebenfalls beleuchtet und damit gewissermaßen “erhellt”. So ist es im asiatischen Raum zum Beispiel nicht nur üblich, sondern sogar gesetzlich sichergestellt, eine Mittagsruhe zu halten. 

Nicht nur der Nacht- oder Mittagsschlaf selbst, sondern auch schlafähnliche Zustände wie Somnambulismus, Trance oder Hypnose werden betrachtet. Darüber hinaus wirft Walter einen Blick auf verschiedene Wege, wach zu bleiben - u. A. natürlich durch chemische Drogen, wie sie zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg Anwendung fanden. 

Aber nicht nur Schlaf im Sinne von Schlafmanagement ist ein militärisches Dauerthema - auch die Folgen von dauerhaftem Wachsein oder von Schlafentzug werden angerissen. So gab es durchaus Menschen, die freiwillig versucht haben, so lange wie möglich wach zu bleiben - aber natürlich wurde und wird Schlafentzug auch als Verhör- bzw. Foltermethode eingesetzt, um Geständnisse zu erpressen, oder auch halluzinierte Geständnisse, wie bei den Hexenprozessen.

Ebenfalls thematisiert wird der Schlaf von Säuglingen und Kindern, und wie sich die Einstellungen hierzu im Laufe der Zeit...

Die Regierung versucht uns zu vergiften. – Gedankenkontrolle ist real. – Die Menschen sind niemals auf dem Mond gewesen. – Chemtrails und HAARP kontrollieren das Wetter. – Geoengineering. – In Wahrheit werden wir von Reptilien regiert. – Die Erde ist eine Scheibe…

Wir alle haben schon von Verschwörungstheorien gehört. Mehr oder weniger glaubhaft, mehr oder weniger abgefahren, schräg bis hin zu paranoid – die Welt ist voll von ihnen. Aber was macht eine Verschwörungstheorie aus? Woher kommt dieses Gefühl, nicht die ganze Wahrheit gesagt zu bekommen? Wie kann man Verschwörungsmythen erkennen, und was braucht es, sie zu entkräften? Was hat es mit den aktuell populärsten Verschwörungsmythen auf sich? Was ist eine False Flag Operation? Und wie stellt man eigentlich die richtigen Fragen, um nicht aufs Glatteis geführt zu werden?

Im Hirzel Verlag ist dieses Jahr ein Buch zu diesen Fragen erschienen: „Verschwörungsmythen. Wie wir mit verdrehten Fakten für dumm verkauft werden“, von Holm Gero Hümmler. Er wirft einen naturwissenschaftlichen Blick auf die Argumente und Beweise verschiedener Verschwörungsmythen und bietet Tipps für eigene Beobachtungen an. In Gastbeiträgen erhaltet ihr Einblicke, warum Menschen an Verschwörungen glauben wollen, und was es mit der Morgellons-Krankheit auf sich hat.

Eine der verbreitetsten Verschwörungstheorien ist die der Truther-Bewegung: Dabei geht es um Stahl und Statik und ein verschwundenes Flugzeug bei den Anschlägen vom 11. September. Warum Stahl nicht schmelzen muss, damit ein Hochhaus zusammenbricht, und bei welcher Geschwindigkeit ein Flugzeug beim Aufprall praktisch pulverisiert wird, erläutert Hümmler ausführlich und verständlich.

Beliebt ist auch die Hollywood-Inszenierung der Mondlandung. Dabei geht es vor allem um Schatten, Perspektive, Kameratechnik und nicht zuletzt den Einfluss mangelnden Luftwiderstandes auf die Befestigung einer Flagge. Bis auf den letzten Punkt könnt ihr das alles selbst überprüfen – mit Spielfiguren und einem Fotoapparat.

Die geradezu magischen Fähigkeiten einer kleinen Forschungsanlage in Alaska, und welchen Energiebedarf HAARP hätte, wäre es auch nur ansatzweise in der Lage, die zugeschriebenen Wunder zu vollbringen, werden ebenfalls in einem eigenen Kapitel erörtert. Wie geheim die Anlage ist, zeigt sich schon daran, dass sie im Wald liegt – oder doch nicht? 

"Die Anlage liegt tatsächlich im Wald – das ist in der Region auch kaum vermeidbar, denn abgesehen von Gebirgen und Flussläufen...