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Summary

Deerhunter- Microcastle

Who the #$&% is Bradford Cox?

Band: Deerhunter
Album:  Microcastle / Weird Era Cont.
Mitglieder: Bradford Cox (vocals, electronics, tapes, drum, acoustic slide guitar, bell set, accordion, electric guitar, piano, bass drum, gong), Moses Archuleta (drums/percussion, synth/pads, electronics, treatments),
Josh Fauver (bass, piano, percussion, reverse guitar, vocals),
Lockett Pundt (synth bells, guitar, acoustic slide guitar, hammond organ, vocals),Whitney Petty (guitar)
Herkunft: Atlanta, Georgia
Klingt wie: melodischer Noise Rock mit Pop-Allüren, „ambient punk“

 

Bradford Cox ist Leadsänger und Gitarrist der fünfköpfigen Noise Rock Band Deerhunter aus Atlanta. Bradford hat dieses Jahr bereits sein erfolgreiches Soloalbum Let The Blind Lead Those Who Can See But Cannot Feel unter dem Künstlernamen Atlas Sound veröffentlicht. Er hat das Marfan-Syndrom (eine genetische Mutation, die zu ungewöhnlich langen Gliedmaßen führt), verkörpert den typischen Außenseiter, ist dabei jedoch äußerst extrovertiert und der neue Liebling von Pitchforkmedia. Kaum ein Tag ohne neue Schlagzeile, ein Interview oder einen Videoauftritt. Umso erstaunlicher ist es, dass von all diesem Wirbel auf Deerhunters drittem Album Microcastle und der beigelegten Bonus-CD Weird Era Cont. kaum etwas zu spüren ist. Die Person Bradford Cox rückt in den Hintergrund um den musikalischen Ideen der Band Platz zu machen. Und das funktioniert.

So hören wir gleich nach dem instrumentalen Intro auf dem bedrückenden Agoraphobia (Agoraphobie: die Angst vor weiten Plätzen) überraschenderweise die Stimme von Gitarrist Lockett Pundt. Er singt über einen deutschen Jungen, der sich auf seinen eigenen Wunsch hin lebendig begraben lässt und gerade noch so am Leben gehalten wird. Immer auf der Suche nach Trost und Wohlbefinden in der Enge: „cover me – comfort me – come for me“. Musikalisch ist dieses Szenario in den seichten Klang des Schlagzeugs und eine charmante Melodie auf der Gitarre eingebettet. Würde man dem Songtext keine Beachtung schenken, es könnte sich um ein Liebeslied handeln. Die Musik lädt zum sorgenfreien Träumen ein. Jedoch immer mit einem bitteren, stellenweise makaberen Beigeschmack, der durch die Texte entsteht, die aus Bradfords Feder stammen. Durch dieses kontrastierende Zusammenspiel entsteht ein surrealer, fast schon verstörender Eindruck, der das ganze Album dominiert.

An dieser Stelle sollte dem Hörer bereits bewusst sein, dass Deerhunter mit Microcastle einen etwas anderen Weg einschlagen als noch mit dem hochgelobten Vorgänger Cryptograms, auf dem die Klangdichte so hoch und die Instrumente oft so stark verzerrt waren, dass die Schönheit der Musik vielen Hörern verborgen blieb und es trotz der äußerst guten Kritiken nur im kleinen Kreise zu seinem verdienten Erfolg gelangte. Laut Bradford soll das aktuelle Album auch den Hörer erreichen, der gerade über My Chemical Romance hinweg sei und jetzt nach experimentellerer Musik suche. Dazu wurde das ganze Album zusammen mit Produzent Nicolas Vernhes in den Rare Book Room Studios in Brooklyn, NY aufgenommen. Weniger verzerrte Instrumente, deutliche Vocals, die meist über der Musik schweben und vor allem die klaren Songstrukturen unterscheiden Microcastle von seinem Vorgänger. Dabei geht jedoch nichts von der ursprünglichen Schönheit verloren.

Vernhes gelingt es mit der Produktion die einzelnen Qualitäten der Lieder hervorzuheben und das Album gleichzeitig als ein fast schon organisch wirkendes Gesamtwerk klingen zu lassen. Mal ist es das Schlagzeug, das in den Vordergrund rückt und Songs wie Never Stops unablässig nach vorne treibt. Dann fehlt es wieder ganz, wie in der ersten Hälfte des Titeltracks Microcastle, auf dem zuerst nur die langsam gespielte Melodie einer Gitarre und Bradfords zerbrechliche Stimme zu hören sind. Wenn dann das Schlagzeug zusammen mit dem hier stark verzerrten Gitarrensound, der die Melodie des langsamen Parts aufgreift, einsetzt, entlädt sich die gemächlich aufgebaute Spannung in dem fulminanten Ende des Liedes. Es gelingt Deerhunter auf diesem Album immer genau dann zu überraschen, wenn die Musik droht eintönig zu werden.

Dem Titeltrack folgen drei sehr ruhige Lieder (Calvary Scars, Green Jacket, Activa), die von akustischen Klängen geprägt sind und ähnlich einem kleinen Gebirgsbach für knappe 5 Minuten vor sich hinplätschern. Länger dürfte dieser Teil, der im Kontext des gesamten Albums jedoch essentiell ist, nicht sein. So gleicht es einer Erlösung, wenn schließlich das großartige Nothing Ever Happend beginnt. Wer nach den ersten 4 Minuten des Liedes noch nicht von dem treibenden Bass, dem drückenden Klang des Schlagzeugs, Bradfords markantem Gesang und der melodischen Untermalung überzeugt sein sollte, wird spätestens dann von dem zerrenden Klang der Gitarre gefesselt werden. Es ist kaum verwunderlich, dass dies die erste Single des Albums sein wird.

Einen stimmlichen Gasteinsatz hat Cole Alexander der Black Lips auf dem ebenfalls herausragenden Saved By Old Times, auf dem er einen per Videochat aufgenommenen und nachträglich überlagerten Monolog führt. Das anschließende Neither Of Us, Uncertainly greift noch einmal das Motiv des aufopferungsvollen Selbstmordes auf, bevor das Album mit Twilight At Carbon Lake endet. Ein Schlusslied, inspiriert vom Pop der 50er und 60er Jahre, das ähnlich dem Titelsong langsam Spannung aufbaut um dann noch einmal in einem letzten großen Finale zu explodieren.

Wer nun glaubt, dass die Bonus-CD, die bereits seit einem halben Jahr durch einen Fehler von Cox im Internet herumgeistert, nur uninteressantes und überflüssiges Material enthält, irrt gewaltig. Weird Era Cont. ist musikalisch eher mit dem bereits erwähnten rauheren Cryptograms aus dem letzten Jahr zu vergleichen und würde für sich alleine bereits ein würdiges Album abgeben. Hier wird deutlich, welches kreative Potential wirklich in Deerhunter steckt.

Und um zum Ende doch noch ein wenig dem Personenkult zu frönen: Zusammen mit seinem Soloalbum hat Bradford Cox damit drei sehr interessante Alben in einem Jahr veröffentlicht. Manchmal hat der Hype eben doch Recht.

Fazit:

Schluss mit Kopfmusik. Mehr fühlen als denken. Schön und gleichzeitig verstörend. Textlich düster aber nicht deprimierend. Zugänglich aber alles andere als trivial. Ein Album mit sehr guten Songs, das erst als Gesamtwerk seine wirkliche Größe zeigt. Wer interessiert ist, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen es mit ungeteilter Aufmerksamkeit durchzuhören. Und selbst für Fans, die Deerhunters musikalische Entwicklung kritisch betrachten, bleibt noch das beigelegte Weird Era Cont.

Microcastle ist auf meiner Liste ein heißer Kandidat für das beste Album des Jahres.

Anspieltipps:

  • Agoraphobia
  • Never Stops
  • Microcastle
  • Nothing Ever Happened
  •  Saved By Old Times

 
Internet:

http://www.myspace.com/deerhunter

http://deerhuntertheband.blogspot.com/

 

 

Wants Bradfords’  kids: Fabian Wörz

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